Tapir: das lebende Fossil

Einzelgänger mit Kommunikationsproblemen

Tapir
Copyright: Bernd Kulow

Tapire sind lebende Fossilien. Ihre Abstammungslinie reicht 55 Millionen Jahre zurück. Sie unterscheiden sich fast nicht von ihren Vorfahren, die im mittleren Tertiär, weit über die Erde verbreitet waren.

Das Charakteristikum des Tapirs ist sein Rüssel. Mit dem Rüssel hat der Tapir zugleich ein sehr sensibles Geruchsorgan. Der Rüssel dient ihm vor allem zum Greifen. So kann er sich Zweige und Blätter packen und in sein Maul schieben.

Die Tapire sind scheue Einzelgänger, kurzsichtig und schwerhörig, sie flüchten vor den Menschen und leben im Verborgenen. Um sich untereinander zu verständigen pfeifen die Tapire. Wegen ihrer Schwerhörigkeit klappt die Verständigung aber nicht immer reibungslos.

…und konnten nicht zueinander finden

Jedenfalls beschreibt John Harrison in seinem Reisebuch „Piranhas zum Frühstück“, wie sich zwei Tapire trotz ihrer Pfeiftöne nicht finden konnten: „Ich verfolgte belustigt ihre offensichtlich vergebliche Suche nacheinander. Das eine Tier marschierte durch unser Camp und pfiff ratlos vor sich hin, während ihm das andere, nur hundert Meter entfernt, vom anderen Ufer antwortete. Die Situation wurde geradezu Mitleid erregend, als sie beide pfeifend den Fluss überquerten, und wieder auf verschiedenen Ufern landeten. Die armen, einsamen Tapire! Als ich sie zum letzten Mal hörte, pfiffen sie sich immer noch kläglich zu, waren aber weiter von einander entfernt als vorher“.

Tapir
Copyright: Bernd Kulow

Die Tapire bevorzugen in der Regel vegetarische Kost, nur gelegentlich fressen sie auch tierische Nahrung. Tapire erreichen ein hohes Alter. So lebte ein Tapir im Frankfurter Zoo über 30 Jahre lang. Natürliche Feinde kennen die Tapire nur wenige. In Amazonien werden ihnen der Jaguar und der Puma gefährlich. Doch vor allem die Menschen und deren Jagdhunde setzen ihnen stark zu. Die Tiere werden wegen ihres Fleisches, das geschmacklich an Rindfleisch erinnern soll, eifrig gejagt. Zudem lässt sich die Haut zu festem Leder verarbeiten.

Tapir: Mehrere Minuten unter Wasser

Wenn man dem größten Dickhäuter der amazonischen Wälder begegnet, traut man ihm nicht unbedingt zu, sich im Wasser lebhaft bewegen zu können. Doch Tapire sind gute Schwimmer. Sie halten sich meist in der Nähe vom Wasser auf und ziehen sich bei drohender Gefahr schnell ins Wasser zurück. Dann tauchen sie unter und können mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Meist waten die Tapire knietief im Wasser und fressen friedlich die Wasserpflanzen ab. In der Tageshitze suhlen sie sich gern im kühlen Nass.



Männchen und Weibchen nur kurze Zeit zusammen

Tapire sind territoriale Einzelgänger; begegnen Artgenossen einander, verhalten sie sich häufig sehr aggressiv. Die Territorien sind zwischen 1 und 8 km² groß. Nur während der Paarungszeit kommen Männchen und Weibchen für kurze Zeit zusammen.

Im Allgemeinen wird nur ein Junges geboren (Tragzeit über 13 Monate). Die Mütter legen sich wie die Schweine auf die Seite, um ihrem Nachwuchs die Zitzen dar zu bieten. Zwar erinnern die Tapire vor allem durch ihre äußere Erscheinung an Schweine, doch sind sie nicht mit den Schweinen verwandt, sondern mit den Nashörnern. Tapire können ein Gewicht von über 300 Kilo erreichen. Charakteristisch sind ihre kurzen Beine, der kurze Schwanz sowie die lange, rüsselartige Schnauze.

Kurzsichtig, schwer hörig, einfältig und daher unberechenbar.

Fritz W. Up de Graff beschreibt in seinem Reisebericht die komisch-lustige Begegnung mit drei Tapiren. Mit seinem Kumpel Jack schläft er am Ufer des Yasuni. „Auf einmal raschelte es im Dickicht, und drei Tapire stürzten auf uns zu“.



Die beiden Abenteurer fürchten von den panischen Tapiren über den Haufen gerannt zu werden und versuchen verzweifelt die Tiere zu verscheuchen. Doch vergebens. Das eine Tier rast kopflos durch das Camp, ein zweites springt kopfüber ins Boot und das dritte taucht unter das Kanu und hätte es beinahe zum Kentern gebracht. Der Autor kommt zu dem Schluss: „Der Tapir ist wie sein Verwandter, das Nashorn, sehr kurzsichtig. Er ist plump und einfältig und daher unberechenbar, so daß man gar nicht weiß, wie sich vor ihm schützen, obwohl er von Natur aus absolut harmlos und leicht zu jagen ist.“

Weiter flussabwärts begegnet ihnen wieder ein Tapir, wieder stürzt er kopflos durch das Camp. „Der Tapir brach durch das Unterholz und setzte zu einem Kopfsprung ins Wasser an, landete krachend im Boot, unser Fahrzeug riß sich los und wurde von der Strömung abgetrieben“. Da Tapire wehrlos sind, flüchten sie ins Wasser oder ins Unterholz. Sie fürchten den Jaguar. „Wenn eine dieser blutgierigen Raubkatzen sich im Nacken des Dickhäuters festgebissen hat, müßte man sie in Stücke reißen, damit sie losläßt.“

Quellen:

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