Piranhas: blütgierige Attacken?

Die Beißwut zielt auf Finger der Angler

Piranhas
Copyright: Bernd Kulow

Piranhas gelten als blutrünstige Menschenfresser. Wie gefährlich sind die Schwarmfische im Hungerstress? Wie kann man sich schützen?

Im Sommer 2015 verletzten Piranhas einen 18-Jährigen in Bolivien so stark, dass er verblutete. Nach Angaben von Welt Online war er betrunken von seinem Kanu in einen Fluss gesprungen, in dem es von Piranhas wimmelte. Die aggressiven Fische griffen ihn offenbar in Scharen von allen Seiten an. Sein Blutverlust war derart hoch, dass er an den Wunden verblutete.

Focus Online meldete ebenfalls schwere Übergriffe von Piranhas auf Menschen: 2013 wurden in Argentinien bei einem Angriff im Fluss Rio Parana 300 Kilometer südlich von Buenos Aires über 60 Menschen verletzt. Im Februar bissen die Schwarmfische eine Sechsjährige in Brasilien zu Tode. Laut Obduktion ertrank die Sechsjährige, während sich der Schwarm über sie hermachte. Mit ihren scharfen Zähnen, beißen die Raubfische ganze Fleischstücke aus ihren Opfern heraus.

Piranhas beißen dem Angler schnell ein Stück vom Finger ab

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Wir angeln Piranhas am Nebenfluss des  Apure in Venezuela – ein Piranha erwischt ein Stück von Martins Daumen.        Copyright: Bernd Kulow

Auch ich habe den Beißreflex der Piranhas erlebt. Auf einer Reise in Venezuela biss ein Piranha meinem Reisebegleiter ein Stück vom Daumen ab. Wir angelten an einem kleinen Nebenfluss des Apure. Der Fluss war angefüllt mit hungrigen Fischen. Ein einfacher Haken mit Köder an einer Anglersehne reichte und wer etwas Geschick bewies, hatte innerhalb von Minuten einen Piranha am Haken. Doch was dann? Dass die Fische gefährlich sind, wussten wir natürlich. Martín wollte den Piranha vom Haken nehmen und im Bruchteil einer Sekunde hatte der Piranha zugebissen, ein Stück Fleisch aus dem Daumen fehlte.

Schwer wiegende Vorfälle mit Piranhas sind gewiss selten. Und wenn sie passieren, wird weltweit in Medien berichtet. Statistisch fallen die Vorkommen sicherlich nicht ins Gewicht. Zu solchen Attacken kommt es in Situationen, wenn die Raubfische an Nahrungsknappheit leiden. Das geschieht vor allem nach dem Austrocknen eines Gewässers.

Als Angler allerdings sollte man sehr vorsichtig mit Piranhas umgehen. So mancher Anglerhand fehlen hier und da Teile von Fingern. Denn die meisten Verletzungen geschehen mit geangelten Piranhas. Die geben so schnell nicht auf, sondern beißen noch zu, wenn sie bereits im Boot liegen. Frank Semper beschreibt die Situation sehr treffend: „Fette schwarze Piranhas bissen sich an den großen Haken fest, die wir nun benutzten. Im Boot sprangen sie wild hin und her, indem ihre Muskeln wie bei einer Feder kontrahierten.“ Ja, wer nicht weiß, dass sie jetzt am Boden liegend, besonders aggressiv zubeißen, der bekommt schnell ihre Zähne zu spüren. „Wenn ihre messerscharfen Zähne sich in einen Zeh oder Finger verbissen, hätten sie ihn leicht abtrennen können.“

Blut bringt die Piranhas zur Raserei und erzeugt ausgeprägten Beißreflex

Zur Gefahr werden die Schwarmfische, wenn man mit einer offenen Wunde in ihren Gewässern schwimmt. Blut lockt ganze Schwärme der Fische an und macht sie zu wild um sich beißenden Wut-Fischen. Doch nachts sind die Piranhas eher friedlich. Wer einen Fluss mit Piranhas durchqueren muss, wartet besser auf die Dunkelheit.

Ausgewachsene Piranhas können bis zu 40 Zentimeter groß werden. Die räuberischen Fische leben nur in den tropischen Gewässern Südamerikas und besitzen ein ausgeprägtes Schwarmverhalten. Als Einzeltier geraten sie leicht unter Stress und zeigen Panikreaktionen. Im Schwarm fühlen sie sich offenbar sicher, selbst wenn ein Feind in der Nähe ist, scheinen sie nicht unter Stress zu geraten.

Laut WWF spielen Piranhas in den Ökosystemen ihres Verbreitungsgebietes eine wichtige Rolle als Saubermacher und „Gesundheitspolizei“. Sie fressen fast alles, vor allem Aas und kranke Tiere. Dies sei für das gesamte System des Regenwalds von enormer Bedeutung, da so die Verbreitung von Krankheiten und Epidemien verhindert wird.

Bills Channel: Auf der Suche nach dem Silbernen Piranha, dem größten Piranha überhaupt.

Maßlose Übertreibungen in Abenteuerfilmen

Piranhas sind aber auch Jäger. In großen Schwärmen jagen sie Fische und regulieren so deren Bestände. Da sie für die Jagd im Schwarm keinen stromlinienförmigen Körper benötigen, sehen sie für Raubfische recht untypisch aus. Nur ihr scharfes Gebiss zeigt, wozu sie im Stande sind.

In Abenteuerfilmen werden die räuberischen Schwarmfische oft zu Menschen fressenden Monstern stilisiert. Hier wird maßlos übertrieben. Aggressiv werden die Fische allerdings, wenn ihnen die Nahrung ausgeht und sie in Hungerstress geraten.

Bereits Alexander von Humboldt beschrieb den Piranha bei seiner Reise in Venezuela als blutgierig und als eine der größten Plagen: „Er fällt die Menschen beim Baden oder Schwimmen an und reißt ihnen oft ansehnliche Stücke Fleisch ab. Ist man anfangs auch nur unbedeutend verletzt, so kommt man doch nur schwer aus dem Wasser, ohne die schlimmsten Wunden davonzutragen.“ Nach Humboldt fürchten die Indianer und Anwohner des Apure und des Orinoko den Karibe, wie sie den Piranha nennen. Einige Indianer zeigen Humboldt an Waden und Schenkeln vernarbte, sehr tiefe Wunden, die von den kleinen Fischen herrührten. „Sie leben auf dem Boden der Flüsse, gießt man aber ein paar Tropfen Blut ins Wasser, so kommen sie zu Tausenden herauf.“


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Piranhas, um Skelett von Toten zu präparieren

Humboldt beschreibt auch einen Brauch der Guarano Indianer, die die Skelette der Verstorbenen in Höhlen bewahren. „…die Guaranos legen die Leichen in Netzen ins Wasser, wo dann die Karibenfische, die Serra-Solmes, die wir überall in ungeheurer Menge antrafen, in wenigen Tagen das Muskelfleisch verzehren und das Skelett präparieren.“

Zu den natürlichen Feinden der Piranhas zählen Amazonasdelfine, Kaimane, Greifvögel, große Raubfische wie der Arapaima, Riesenotter oder, für ein verletztes Tier, eben auch ihre eigenen Artgenossen.

Fürsorgliche Männchen

Was man bei den Bildern, die man von den Blut gierigen Piranhas im Kopf hat, wohl nicht erwartet: Die Raubfische üben eine intensive Brutpflege aus und die Männchen übernehmen die Versorgung und Verteidigung des Geleges und der Larven. Es gibt 40 Arten von Piranhas, davon sind manche aggressiver als andere. Und entgegen ihrem Ruf als Fleischfresser, ernähren sich einige Piranha-Arten sogar vegetarisch von Pflanzenteilen wie Samen.

Quellen:

 

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