Mythos Amazonen

Die Frauenkämpfer gegen die Spanier

Francisco de Orellana
Francisco de Orellana: By Ximénex (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Jahre 1500 „entdeckte“ der portugiesische Flottenführer Pedro Cabral Südamerika. Es sollte danach noch 41 Jahre dauern, bis die ersten Europäer den Amazonas in seiner ganzen Länge von den Anden bis zur Mündung in den Atlantik hinunter segeln würden. Das war dann Francisco de Orellana mit seinen 57 Männern. Auf sie warteten Entbehrungen, Abenteuer und tödliche Auseinandersetzungen mit den Amazonen und anderen Indianern.

Orellana hatte mit seinen 30 Jahren bereits Reichtümer angehäuft, Raubgüter von Eroberungen vor allem in Peru. Der neue Eroberungszug im Jahr 1541 war eigentlich von Gonzalo Pizzarro geleitet. Er wollte Gold oder andere sagenumwobene Reichtümer im Amazonas-Dschungel finden und das „Zimtland“ entdecken. Gewürze stellten damals ein sehr kostbares Gut dar, insbesondere Zimt konnte zu einer unerschöpflichen Einnahmequelle werden.

Zimt wurde damals als Antiseptikum wie auch als Stimulans benutzt und mit Gold aufgewogen. Gerüchte gingen um, wonach es all diese Reichtümer im Dschungel in Ecuador oder Kolumbien gebe.

Orellana war zunächst nur Mitglied der Expedition. Diese bestand aus einem riesigen Haufen von Soldaten und Indianern, die sich auf den Weg in den Dschungel machten. Insgesamt brachen 4000 versklavte Indianer und 210 Spanier in Quito, Ecuador, auf. Die Reichtümer wollten sie im Namen der spanischen Krone erobern. Die Eroberungs-Armee führte einige tausend Schweine mit sich und Hunderte Lamas trugen die Lasten. Über 2000 Bluthunde, heute würde man sie wohl Kampfhunde nennen, sollten vor allem gegen feindliche Indianer losgelassen werden.

 

Auf dem Strom ins Unbekannte

Doch nach monatelangem Suchen im Urwald waren die Nahrungsmittel fast am Ende, Schweine und Lamas geschlachtet und verzehrt. Von Haß, Enttäuschung und Grausamkeit erfüllt ließ Pizzarro die Bluthunde auf die Indianer, die sich in seinem Eroberungsheer befanden, los. Wer von ihnen das Gemetzel überlebte, wurde bei lebendigem Leib verbrannt.

Dann befahl Pizzarro, ein Schiff zu bauen. Eine Gruppe von Männern sollte den Napo, einen Nebenfluss des Amazonas, hinunter segeln und nach Essbarem suchen. Orellana wurde ihr Anführer. Doch er dachte nicht daran zurück zu kehren. Pizzarro blieb nach langem Warten nichts anderes übrig, als den entbehrungsreichen Fußweg zurück nach Quito anzutreten, wo er 2 Jahre nach seinem Aufbruch krank und fast verhungert ankam.

Orellana folgte indessen dem Fluss. Später behauptete er, ein starker Strom habe ihn mit sich fortgerissen. Eine Rückkehr mit dem Schiff sei nicht möglich gewesen und auf dem Landweg undenkbar.

Der Strom führte die Männer immer weiter ins völlig Unbekannte. Die Entdeckungsreise ist im Einzelnen überliefert. Der Dominikanermönch Gaspar de Carvajal verfasste einen ausführlichen Bericht der gesamten Reise. Am 3. Januar 1541 hörten die Männer zum ersten Mal Trommeln und ihnen war klar, dass sie sich einer indianischen Siedlung näherten und was damit auf sie zukam.

Kämpfe mit Indianern

Doch Orellana war angeblich nicht ganz so grausam wie Pizzarro. Er brachte es fertig, die Indianer von seinen friedfertigen Absichten zu überzeugen. So erreichte er die Erlaubnis zur Weiterfahrt. Im Februar gelangte die Expedition an die Mündung des Napo in den Amazonas. Zunächst glaubten die Männer, sich dem Ozean zu nähern, da sie eine Mündung mit solch großen Ausmaßen nicht erwartet hatten. Sie bauten sich ein zweites, größeres Schiff: die Victoria.

Die Indianer, denen sie nun auf dem Amazonas begegneten, stellten sich ihnen in den Weg und schossen aus ihren Kanus Pfeile auf die Eindringlinge. Doch die Spanier überstanden den Angriff mit mehreren Verwundeten und einem Getöteten. Fortan versuchten sei, auf ihren Schiffen zu bleiben, doch um Lebensmittel zu besorgen, mussten sie wieder und wieder an Land.

Mythos der Amazonen

Am 24. Juni 1541 gerieten sie in einen Kampf mit Indianern, der bis heute nicht vergessen ist und der schließlich dem großen Strom seinen Namen gab. Denn der größte Fluss der Welt wurde nicht nach seinem europäischen Entdecker Orellana benannt, sondern nach den Amazonen. Es waren die Berichte über die erbitterte Auseinandersetzung Orellanas und seiner Leute mit den Amazonen, den indianischen Frauen-Kämpfern, die später die Phantasie in der europäischen Öffentlichkeit anregten und zu allerhand Geschichten und Mythen um die Amazonen führten.

Von den Amazonen hieß es, dass sie in einem Frauenvolk leben würden und nur einige Tage im Jahr Männer benachbarter Stämme zu sich ließen. Nur die Mädchen dieser Vereinigungen wurden groß gezogen, die Jungen zu ihren Vätern weggeschickt. In anderen Erzählungen töteten die Amazonen sogar die Jungen.

Die Spanier konnten den Angriffen der Amazonen entkommen. Doch sie gerieten bald in die nächste Schlacht. Der Berichtschreiber Carvajal wurde durch einen Speer ins Auge getroffen und blieb fortan auf einem Auge blind.

Schließlich erreichten sie die Amazonasmündung. Als sie später in Spanien an Land gingen, wurden ihre Berichte und persönlichen Erzählungen mit Neugier aufgenommen. Orellana sammelte Geld und stellte ein neues Heer von 500 Mann zusammen. Diesmal wollte er die goldene Stadt, das Goldreich suchen. Doch Orellana starb in der Amazonasmündung bevor die Expedition sich in den Dschungel begeben konnte.

Quellen:

  • Victor von Hagen, „Auf der Suche nach dem goldenen Mann, Hamburg 1977
  • Marcia Willis, „Urwälder am Amazonas“, London 1971
  • Fabienne Pavia, „Der Amazonas“, Köln 1999

Weblinks:

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