Leben auf der größten Flussinsel der Welt

Die Karajà erhalten ihre Kultur

Die Karajá Indianer leben auf der 300 Kilometer langen und damit der größten Flussinsel der Welt, der Insel Bananal. Mann und Frau sind bei diesen Indianern gleichberechtigt.

Heute leben noch etwa 1.700 Karajá in 29 Dörfern. Sie haben sich ihre Kultur weitestgehend erhalten und sind nicht in der brasilianischen Bevölkerung aufgegangen. Ihre Kultur reicht weit zurück: Keramikfunde haben gezeigt, dass die Karajá schon vor über tausend Jahren eine hoch entwickelte Kultur hatten. Ihre Keramik wird heute in vielen Läden für indianisches Kunsthandwerk in Brasilien angeboten.

Vor allem die Frauen erstellen die traditionellen Tonpuppen, die Lixocó-Püppchen, und erreichen damit ein Einkommen. Die Figuren werden von Ethnologen als Fruchtbarkeitssymbole interpretiert, die nicht immer eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können.

Geburt: Mann nimmt Anteil

Die Geburt ist bei den Karajá ein besonderes Ereignis, an dem auch der Mann intensiven Anteil nimmt. Wenn bei der Frau die Wehen einsetzen, legt sich ihr Mann für mehrere Tage ins Bett, ohne zu essen oder zu trinken. Er widmet sich dann Ritualen der inneren Reinigung, zu denen auch ein rituelles Erbrechen gehört. Anschließend wird die Haut mit einem Schaber gereinigt. „Diese Prozedur wird als Abhärtung des Mannes verstanden, sie bereitet ihn auf sein neues Dasein als Vater vor“, sagt Doris Kurella, Ethnologin am Linden-Museum in Stuttgart. Von den Wissenschaftlern wird diese Phase als Couvade, als Männerkindbett bezeichnet.

Bei den Karajá sind Altersübergänge Ereignisse, die für die Gemeinschaft von hoher Bedeutung sind. Besonders wenn die Jungen zu jungen Männern reifen, wird dies mit einem Ritual herausgehoben: dem Initiationsritual. In der Regel sind die Jungen dann 12-13 Jahre alt.

Der Wechsel vom Kind zum Mann ist bei den Karajá mit dem Geheimnis der Masken verbunden. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren werden sie in diese Geheimnisse eingeweiht. Damit auch gleichzeitig in das Maskenhaus, das auch Männerhaus genannt wird, eingeführt. Die Jugendlichen wachsen damit immer weiter in den Männerbereich, der strikt vor den Frauen geheim gehalten wird. Sollte ein Junge die Geheimnisse an seine Mutter verraten, drohen hohe Strafen. Diese Geheimnisse und die Ordnung des Männerhauses dienen dazu, den Kontakt zwischen Mutter und Sohn einzuschränken. Mit dem Maskengeheimnis wird die Gesellschaft in eine Männerwelt und eine Frauenwelt getrennt.

Die Frauen dürfen das Maskenhaus nicht betreten, während der rituellen Tänze ist es ihnen untersagt, die maskierten Tänzer zu berühren. Während der Tänze herrscht eine eher angespannte Stimmung, weil Frauen und Kinder bei Übertretung der Verbote bestraft würden.

Werbung um Partner geht von Frau aus

Die Ethnologin Kurella ist überzeugt, dass von einer Unterdrückung der Frauen dennoch nicht die Rede sein kann. Die Frauen genießen ein hohes Ansehen und haben eine zentrale Rolle in der Gesellschaft inne. Beide Geschlechter üben jeweils den Besitz über die von ihnen erwirtschafteten Produkte aus. So gehört den Männern das Wild, den Frauen die Gärten und Agrarprodukte. Den Frauen gehört auch das Haus. Die Werbung um einen Partner geht eindeutig von den Frau aus. Nach der Heirat ziehen die Männer ins Haus der Schwiegereltern.

Die Karajá wehren sich seit einigen Jahren gemeinsam mit anderen Indianergruppen gegen ein Großprojekt der Regierung. Damit soll der Fluss durch Sprengungen vertieft und damit schiffbar gemacht werden. Die Regierung argumentiert, damit würde die landwirtschaftliche Entwicklung in der Region gefördert. Denn über den Fluss könnten die Produkte dann transportiert und vermarktet werden.

Karajá Indianer: Lebensweise erhalten

Doch die Indianer fürchten, von dem Projekt würden Tiere und Fische betroffen und ihr Überleben sei damit gefährdet. Zudem würden mehr Touristen auf die Insel kommen und ihre traditionelle Lebensweise gefährden.

Bereits vor einigen Jahren war ein Hotelprojekt auf der Insel in der Nähe der Karajá von der Regierung initiiert worden. Viele Karajá-Frauen fanden dort Lohnarbeit und vernachlässigten in der Folge die Kultivierung ihrer Felder. Dadurch geriet das gesamte rituelle und soziale Leben der Karajá durcheinander.

Aus unterschiedlichen Gründen scheiterte das Hotelprojekt. Es ist mittlerweile abgerissen und die Karajá verwendeten die Steine für den Bau ihrer eigenen Häuser. Die Gemeinschaft kehrte weitgehend zu ihrer herkömmlichen Lebensweise zurück.

     Quellen:

  • Doris Kurella, Die Karajá – eine Einführung in: Amazonas Indianer, Katalog zur Ausstellung, Linden-Museum Stuttgart, 2002
  • Ulrike Prinze, Die Mythen und Feste der Karajá in: Amazonas Indianer

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