Faultier: 20 Stunden Schlaf

Auf keinen Fall Aufmerksamkeit erregen

Baby Faultier - baby sloth
Baby Faultier aus einer Tierrettungsstation - Urheber des Fotos: von Allhailfintan (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Das Faultier will auf keinen Fall Aufmerksamkeit erregen und so wenig Energie wie möglich verbrauchen. Es ist ein Spezialist im Tarnen. Seine Bewegungen sind so langsam, dass es nicht wahrgenommen wird. Denn Raubtiere nehmen vor allem heftige Bewegungen wahr.

„Lobo“, unser Führer durch den Amazonas-Dschungel im Norden Perus, zeigt nach oben in die Baumkronen. Wir sitzen im Einbaumboot und folgen mit unseren Blicken seiner ausgestreckten Hand. Oben in einer Astgabelung erkenne ich ein Termitennest, wie sie hier oft in Bäumen hängen. Doch Lobo besteht darauf, dass es ein Faultier sei. Ich schaue lange auf mein Termitennest und muss dann zugeben, dass es sich bewegt.

Ja, ein Faultier hängt kopfüber oben im Baum, futtert langsam Blatt um Blatt. Die Langsamkeit ist sein Markenzeichen. Nur sehr langsam funktioniert auch sein Stoffwechsel und Stuhlgang. Um ein Faultier zu entdecken, muss man mit dem Tier vertraut sein und ein gutes Auge für den Dschungel haben.

Sir David Attenborough, der bekannte britische Tierfilmer und Naturforscher, rückt einem Faultier auf den Pelz. 

Einmal pro Woche Stuhlgang

Im Schlaf oder Halbschlaf verbringt das Faultier 20 Stunden jedes Tages und macht damit seinem Namen alle Ehre. Es wird bis zu 30 Jahre alt und hängt all diese Jahre fast immer kopfüber oben in einem Baum. Man kann leicht errechnen, dass es 25 Jahre seines Lebens schläft.
Der Stoffwechsel ist sehr viel niedriger als bei anderen Säugetieren, heißt es in dem Fotoband „Extreme der Natur“ von Mark Carwardine. Wie es sich bewegt, so funktioniert auch die Verdauung: äußerst langsam. Nur einmal pro Woche hat es Stuhlgang. Dann begibt es sich sehr langsam vom Baum auf die Erde, gräbt ein Loch und hinterlässt trockene, harte Fäkalien. Die zurückgelassenen Fäkalien entsprechen einem Drittel seines Körpergewichts. Doch die Natur hat ihre Last mit den Faultierfäkalien: Die Zersetzung dauert rund zehn Mal länger als sonst üblich.

Schmetterlinge leben im Fell

Das Fell besteht aus einer dichten, langhaarigen Wolle. Die langen Haare tragen mikroskopisch kleine Grün- und Blaualgen, die das Fell farblich an die Pflanzenwelt der Umgebung anpassen und das Faultier praktisch unsichtbar machen. In seinem dichten Fell leben sogar drei Schmetterlingsarten in enger Symbiose mit dem Gastgeber. Denn sie legen dort auch ihre Eier ab.

So verbringt das Faultier einen Tag wie den anderen oben in einem Tropenbaum und  futtert langsam und behäbig Blatt um Blatt. Es kann gelassen in den Tag sehen, denn es hat fast keinen natürlichen Feind. Einzig der Jaguar oder die Harpyie können ihm gefährlich werden. Die aber nehmen es normalerweise nicht wahr. Wenn es doch einmal entdeckt werden sollte, setzt es sich mit seinen Krallen durchaus zur Wehr, so dass es sich ein Jaguar gut überlegt, bevor er ein Faultier angreift.

Das Faultier frisst giftige Blätter. Doch in seinem Magen leben Bakterien, die dies ermöglichen. 

Ein Leben verkehrt herum

Zwar ein guter Schwimmer, wenn auch ein langsamer, fühlt sich das Faultier oben in den Bäumen am sichersten. Dort hängt es sich mit dem Rücken nach unten in die Äste. Mit seinen langen Krallen kann es sich bequem festhaken. Das Fell ist auf dem Bauch gescheitelt. So kann das Regenwasser gut ablaufen. Sein schwerstes Körperorgan, die große Leber, liegt am Rücken des Tieres. So ist es gut angepasst an sein Leben „verkehrt herum“.

Das Faultier ist sehr zäh und widerstandsfähig. Es kann Schläge einstecken und Wunden ertragen, die für jedes andere Säugetier tödlich wären. Auch Durst und Hunger können ihm so schnell nichts anhaben.

Tempo: 2 Meter pro Stunde

Pro Tag sind Faultiere etwa 4-5 Stunden lang am Fressen und klettern in den Ästen herum. Angeblich bewegen sie sich mit einer Geschwindigkeit von zwei Metern die Stunde. Den Rest des Tages verbringen sie schlafend.

Die Tragzeit beträgt etwa 5 ½ Monate. Dann kommt ein kleines Faultier mit offenen Augen zur Welt. Das Kleine klammert sich fest ans Fell der Mutter, um nicht aus den Baumkronen herunter in den Tod zu stürzen.

Zwergfaultier vom Aussterben bedroht

Der Lebensraum der Faultiere wird immer kleiner. Durch die Vernichtung der Regenwälder wird ihnen der Platz zum Leben genommen. Zudem werden Jungtiere gefangen, um sie illegal als Haustiere zu verkaufen.

Besonders gefährdet ist das Zwergfaultier. Der Verein „Rettet den Regenwald“ schickt eine Petition an die Direktorin der Nationalen Umweltbehörde von Panama (ANAM) Mirei Endara Heras. Denn das Zwergfaultier lebt auf der kleinen, unbewohnten Karibikinsel Escudo de Veraguas, die zu Panama gehört.

Hier an der Rettungsaktion teilnehmen und die Petition online unterschreiben.

 

Quellen:
  • Beitragsfoto: Baby Faultier, Wikimedia Commons
  • Lebendige Wildnis: Tiere der Regenwälder, Verlag Das Beste, Stuttgart, Zürich, Wien

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