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Tiere des Amazonas
Vampir-Fledermäuse
Es gibt sie tatsächlich die Vampire! Es ist eine Fledermaus, die echter Vampir oder Blutsauger heißt. Diese Vampir-Fledermaus (Desmodontidae) ernährt sich ausschließlich vom Blut, das sie lebenden Wesen über Nacht abzapft.
In erster Linie sind dies die Tiere im Dschungel, aber auch Pferde und Rinder, Ziegen, Hunde oder Geflügel und auch schlafende Menschen. Der Vampir fliegt sein Opfer lautlos und unbemerkt an. Schmerz verabreicht er keinen. Die Fledermaus ist in der Lage, mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen blitzschnell 4 mm tiefe Wunden zu beißen, aus denen viel Blut strömt. Die Vampirfledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die sich ausschließlich von Blut ernähren.
In seinem bekannten Reisebericht „Auf Kopfjägerpfaden“ schildert Up de Graff seine Erlebnisse mit den Vampir-Fledermäusen. Up de Graff war Ende des 19. Jahrhunderts jahrelang am Napo-Fluß in Amazonien unterwegs. „Ich stand auf…und musste mich gleich wieder hinsetzen. Mir war schwindlig und ich fühlte mich ganz erschöpft, obwohl ich bestens geschlafen hatte. Ein großer, hässlicher Blutklumpen hing an meinem Hinterkopf. Ich hatte gleich die Indianer in Verdacht. Schließlich ging ich zu den Indianern hinüber, denn ich konnte mir keinen Reim auf das Blut machen. Die Indianer lachten. Für sie war das die selbstverständlichste Sache der Welt; sie meinten bloß, die Nachtvögel hätten halt Hunger gehabt, und zeigten uns die von bloßem Auge kaum erkennbaren Einstichstellen“.
Die echte Vampir-Fledermaus ist mit scharfen Schneidezähnen ausgestattet, mit denen sie die Haut wie mit einem Skalpell aufritzt. Es ist bekannt, dass die Vampir-Fledermaus den Schläfer, den sie im Visier hat, niemals aufweckt und dass sie auch nie einen Menschen angreift, der zu schlafen vorgibt. „Ich habe oft versucht, sie bei ihrem Tun zu erwischen“, schreibt Up de Graff. „Solange man noch wach ist, gibt sie sich ganz harmlos. Sie schwebt absolut geräuschlos, fast regungslos über ihrem Opfer“.
Die Folgen des Blutverlustes wirken mehrere Tage nach. Up de Graff erlebt, dass ein Ruderer im Lauf einer einzigen Nacht zwei oder drei Bisse verpasst bekam und am nächsten Tag arbeitsunfähig war. „Für mich ist die Vampir-Fledermaus die ekligste der zahllosen Plagen des Amazonas; mir läuft es beim bloßen Gedanken noch nach Jahren kalt über den Rücken“, schreibt Up de Graff. Der Blutverlust kann erheblich sein. Die Vampirfledermäuse haben in ihrem Speichel eine Substanz namens Desmoteplase, die das Gerinnen des Blutes verhindert. Gefährlich ist allerdings nicht so sehr der Blutverlust, sondern die Tollwut. Die Vampirfledermäuse können Tollwut übertragen.
Wie die meisten Fledermäuse sind die Vampire in der Nacht aktiv. Tagsüber halten die Fledermäuse sich in Felshöhlen auf. Hier setzen die Tiere große Mengen Guano ab, der als Düngemittel sehr begehrt ist. Felshöhlen, die bereits seit Jahrhunderten von den Fledermäusen benutzt werden, haben oft eine hohe Schicht von Guano, so dass es sich lohnt, ihn gewerbsmäßig abzubauen.
Quelle:
- Urania Tierreich Säugetiere, Leipzig
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