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Tiere des Amazonas  

Capybara - der größte Nager der Welt

Die Indianer nennen den Capybara "Herr der Gräser", auf deutsch wird der Capybara auch als Wasserschwein bezeichnet. Die Capybaras leben an Flussufern und Seen.

© NationalGeographic

Anakonda verschlingt Capybara

Seit die Missionare ab dem 16. Jahrhundert am Amazonas lebten, herrschte dort große Nachfrage nach Capybarafleisch. Den katholischen Missionaren nämlich fehlte offenbar zur Fastenzeit ein deftiges Stück Fleisch auf dem Tisch. So erklärten sie die Wasserschweine kurzum zu Fischen. Diese nämlich sind als Speise während der Fastenzeit erlaubt.

Die Capybaras, wissenschaftlich Hydrochoerus hydrochaeris, sind die größten Nagetiere der Erde. Sie können über einen Meter lang werden. Ihr gedrungener Körper mit den kurzen Vorderbeinen, dem fehlenden Schwanz und dem rechteckigen Kopf gibt ihnen ein eher witziges Aussehen. Dazu kommen die großen Nagezähne, die wie bei allen Nagern, aus dem Maul hervorragen. Die Wasserschweine kommen ausschließlich in Südamerika vor, leben in der Nähe von Flüssen, Seen oder Tümpeln. Am engsten verwandt sind Capybaras mit Meerschweinchen.

Capybaras sind ausgezeichnete Schwimmer, ja können bis zu fünf Minuten unter Wasser bleiben. Möglich werden ihre Schwimmkünste durch Schwimmhäute zwischen ihren Zehen. Sie besiedeln unterschiedlichste Lebensräume: von offenem Grasland bis hin zum tropischen Regenwald. Capybaras haben eine eher langweilige Küche. Auf ihrem Speiseplan stehen ausschließlich Gräser. Die finden sie im Wasser oder am Ufer.

Zu viel Gras?

Doch das viele Gras macht ihnen bei der Verdauung zu schaffen, denn es enthält für Säugetiere unverdauliche Zellulose. Deshalb besitzen die Capybaras dort, wo sich beim Menschen der Blinddarm befindet, eine große Kammer, in der Mikroorganismen die Zellulose abbauen. Aber die Endprodukte dieses Fermentierungsprozesses können die Tiere nicht verarbeiten. Eine weitere Lösung muss also her: Die Capybaras unterstützen die Arbeit der Symbionten, indem sie ihren eigenen Kot fressen. Auf diese Weise „recyceln“ die Wasserschweine jeden Morgen während ihrer Ruhephase, was sie am Abend vorher und in der Nacht zu sich genommen haben.

Zwischendurch nagt das Capybara auch mal an der Rinde junger Bäume, schließlich ist es ein Nagetier. Es sieht aus wie ein zu groß geratenes Meerschweinchen.

Auf dem Nasenrücken sitzt bei den Männchen eine schwarze Talgdrüse, die ein Sekret absondert. In der Fortpflanzungszeit reiben die Männchen ihre Drüse an Pflanzen, um damit ein Weibchen anzulocken. Ist dies gelungen, findet die Begattung meistens im Wasser statt. Nach etwa 4 Monaten bringt das Weibchen 2 bis 4 Junge zur Welt.

Capybara-Steak

Die Capybaras werden auch gezüchtet und wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches als Hausschweine gehalten. John Harrison, der mit dem Kanu durch Amazonien reiste, war auf Wildfleisch angewiesen. Er beschreibt, wie er mit seinem Freund zu einem Capybara-Steak kamen: „Eines Morgens erlegten wir ein Wasserschwein. Die Gruppe bestand aus elf Tieren: sechs ausgewachsene und fünf junge. Wir verfolgten sie den Fluss entlang und schossen ein ausgewachsenes Weibchen. Das Weibchen war sehr fett und schwer, und wir verbrachten den restlichen Tag damit, es zu enthäuten und zu zerlegen. Es dauerte ziemlich lange, bis wir das Fell abgezogen hatten, dann wurde ein Teil des Fleisches zu Steaks geschnitten – die wir mit Leber und dem Herz braten wollten -, andere Teile zerkleinerten wir in Würfel für einen Eintopf und das übrige Fleisch in dünne Streifen, die wir einsalzten und zum Trocknen in die Sonne hängten. So besaßen wir Fleisch für mehrere Tage.“

In der Natur sind es vor allem die jungen Wasserschweine, die Räubern zum Opfer fallen. Die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr ist extrem hoch. Denn junge Capybaras ermüden leicht. 50 Prozent  aller jungen Capybaras fallen Fressfeinden zum Opfer. Kaimane, Jaguare oder auch Geier gehören zu den natürlichen Feinden.

Nie weit vom Wasser

Capybaras leben in Gruppen von bis zu 30 Tieren. Wenn ein Raubtier sich einer Herde nähert, warnt das erste Tier, das den Feind bemerkt, mit einem Ruf die anderen. Wenn die anderen die Gefahr wittern, stürzen sie sich Hals über Kopf ins Wasser und bilden einen Schutzring um die Jungen. Aus der Nähe des Wassers entfernen sie sich nur ungern.

Die Capybaras sind in einigen Gegenden selten geworden oder ganz verschwunden. Insgesamt aber kommen sie häufig vor. Die Capybaras gehören nicht zu den bedrohten Arten.

     Quellen:

  • David Macdonald (Hrsg.): Enzyklopädie der Säugetiere, dt. Ausgabe Königswinter, 2004
  • www.wikipedia.org, 16. Januar 2010
  • www.tierdoku.com, 16. Januar 2010

 

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