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Amazonas-Tiere

Mythos Anakonda

Die größte Schlange der Erde regt weiterhin die Phantasie an und kann Panik auslösen.

Ein Untier mit magischen Kräften, das Menschen aus Meter weiter Entfernung ansaugen und verschlingen kann – um die Anakonda ranken sich wilde Legenden und Gerüchte. Mit dem Mythos der Anakonda werden Action- und Horrorfilme gedreht. Gab es wirklich Exemplare dieser Schlangenart mit Längen von über 20 Metern?

Mir ist es auf meinen Reisen bislang nicht gelungen, einer Anakonda in freier Wildnis zu begegnen. Weder in Los Llanos in Venezuela noch im sumpfigen Amazonas-Regenwald in Peru stieß ich auf eine Anakonda. Offenbar gelingt dies auch erfahrenen Führern nicht immer.

Die Frage, wie lang eine Anakonda werden kann, hat die Menschen lange beschäftigt. In der früheren Reise- und Abenteuerliteratur ist von Riesenschlangen die Rede, wollen die Autoren Schlangen von 15 Meter Länge gesehen haben. Die Anakonda galt als Monsterschlange, die Menschen verschlucken kann. Heute wird die Länge einer Anakonda von 7 bis 9 Meter Länge angegeben – immer noch groß genug. Noch immer streiten sich die Schlangenexperten, ob die Anakonda oder die asiatische Netzpython als die längste Schlange der Welt gelten kann.

vodeo.tv

Nur wenige Raubtiere wagen sich an eine große Anakonda.

Es soll immer noch eine hohe Prämie ausgesetzt sein für eine Anakonda mit einer Länge von 10 Metern. In den 30er Jahren hatte der Leiter des Bronx Zoo in New York 1.000 $ für eine Anakonda von 30 Fuß Länge ausgelobt. Doch bis heute hat dies Geld niemand abholen können, mittlerweile soll der Preis bei 50.000 $ stehen.

Auf Beute lauern

Anakondas lieben Wasser und halten sich gern in sumpfigem Gelände auf. Die Schlangen verbringen oft lange Zeit im Wasser, dann ragt nur der Kopf über die Wasseroberfläche. Sie können aber auch gut klettern.

Anakondas lauern auf Beute. Sie liegen versteckt auf dem Erdboden oder getarnt auf einem dicht belaubten Ast. Wenn das Opfer nahe genug ist, schnellt der Kopf vor, beißt das Beutetier und umschlingt es mehrfach. Dabei wird das Opfer erstickt, denn der Biss ist nicht giftig. Das erbeutete Tier wird vollständig verschluckt, da die Anakonda ihre Beute nicht in Stücke beißen kann.

Eine Anakonda kann es sogar mit einem Kaiman aufnehmen. Sie würgt den Kaiman zu Tode, dann verschluckt sie ihn. Sie schafft das, indem sie ihren Unterkiefer ausklinkt und ihr Maul damit riesige Ausmaße annimmt. Anschließend zieht sie sich zum Verdauen zurück, das dauert in der Regel 4 bis 5 Tage. Während dieser Verdauungsphase ist die Schlange ziemlich wehrlos.

Eine Anakonda ist hingegen alles andere als gefräßig. Sie kann Monate lang ohne Nahrung auskommen. Laut dem Anakondaexperten Dr. Lutz Dirksen hat eine Anakonda weit über ein Jahr ohne jegliche Nahrung ausgehalten.

Auch andere Quellen berichten, dass eine Anakonda über Jahre ohne Nahrung überleben kann.

13 Männchen auf ein Weibchen

Zum Ende der Trockenzeit folgen die Männchen einem betörenden Duft und verlassen ihre Reviere. Sie werden aus Kilometer weiter Entfernung von den Düften der Weibchen angelockt. Doch unbeirrt macht sich nicht nur ein Männchen auf den Weg. Bis zu einem Dutzend männlicher Tiere werden von dem Lockduft eines Weibchens mobilisiert. Wer nun meint, es würde zu heftigen Kämpfen zwischen den konkurrierenden Männchen kommen, liegt völlig falsch. Die Anakondas haben ein einmaliges Paarungsverhalten entwickelt: Bis zu 13 Männchen verknoten sich zu einem Knäuel um ein Weibchen, um dieses schließlich zu begatten. Bis zu einer halben Tonne kann so ein Knäuel wiegen.

Und so schnell lösen sich die Schlangen nicht wieder von einander. In diesem Zustand bewegen sie sich sogar und schwimmen als Knäuel. Erst nach Wochen soll sich so ein Knäuel wieder entwirren und die Männchen in ihr eigenes Jagdrevier zurückkehren.

Dieses ungewöhnliche Paarungsverhalten ist den Wissenschaftlern erst seit einigen Jahren bekannt. Noch hat man nicht feststellen können, ob sich in diesen „Paarungsknäueln“ das Weibchen nur mit dem stärksten Männchen paart oder mit mehreren. Während der Paarung und der Trächtigkeit nehmen Anakondas keine Nahrung zu sich und können bis zu 20% Gewichtsverlust erleiden, heißt es auf der Webseite www.anakondas.de des Anakondaexperten Dirksen.

Weibchen gewichtiger

Auf jeden Fall bringen die Anakonda-Weibchen mehr auf die Waage als die Männchen: Ausgewachsene Weibchen sind fast fünfmal schwerer als Männchen. Und sie überragen die Männchen bei weitem: Sie sind bis zu 3 Meter länger. Damit dürfte die Anakonda im Größenunterschied der Geschlechter den Rekord halten, zumindest bei den Landwirbeltieren.

Die Anakondas gehören zu den lebend gebärenden Schlangen und bekommen nach ca. 6-8 Monaten ihre Jungen. Zehn bis 40 Junge werden geboren, die bereits bei der Geburt bis zu einem halben Meter messen. Die Baby-Schlangen suchen sofort selbstständig ihren Weg ins Leben und tauchen ins Wasser.

Gefahr für den Menschen?

Eine Anakonda hat es nicht auf Menschen abgesehen. Zudem frisst sie nur ein paar Mal im Jahr. Anders wird es allerdings, wenn eine Anakonda sich bedroht fühlt. Dann kann sie durchaus auf einen Menschen  losgehen.

Deshalb ist Vorsicht angebracht. Die Schlangen können schlecht sehen. Dafür nehmen sie Vibrationen wahr. Wenn man fest auf den Boden auftritt, sind Schlangen gewarnt.

5 Männer und eine Anakonda

Zwar ist eine Anakonda nicht giftig, doch sie besitzt über 100 messerscharfe Zähne. Wenn sie einmal zuschnappt, gibt es aus ihrem Maul kaum ein Entrinnen. Ihr Schlangenkörper wickelt sich um das Opfer, dabei werden die Venen abgedrückt und nicht die Knochen gebrochen, wie oft angenommen. Das Beutetier wird schnell bewusstlos.

Anakondas sind in ihrem Bestand gefährdet, da auch ihr Lebensraum, wie der so vieler Tiere, ständig weiter eingeschränkt wird. Wie viele Anakondas es noch gibt, ist nicht bekannt.

Quellen:

  • Jesús Rivas, „So fängt man eine Anakonda“ in: National Geographic 1/2002
  • Fauna Band VIII (Südamerika), München 1971
  • Dr. Lutz Dirksen: www.anakondas.de
  • www.zdf.de: Wunderbare Welt



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