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Der Amazonas

Gigantisches Flusssystem


© Axel Brümmer

Der Amazonas stimmt mit unserer gängigen Vorstellung von einem Fluss nicht überein. Er fließt nicht einfach in seinem Flussbett, begrenzt von Ufern. Jahr für Jahr überschwemmt er für Monate den Dschungel rechts und links auf einer Fläche bis zu 100 Kilometer breit. Der Amazonas wird deshalb häufig als Wasserlandschaft bezeichnet. Während der Überschwemmungsmonate verschwinden ganze Urwaldinseln unter den Wassermassen und tauchen erst nach Monaten bei sinkendem Wasserspiegel wieder auf.

Die Quellflüsse des Amazonas entspringen in 5000 Meter Höhe in den peruanischen Anden. Dann suchen sie sich als winzige Bäche ihren Weg über Felsen und durch Schluchten, stürzen in engen Felsbetten hinab und vereinen sich bald zum Amazonas.

Auf dem Amazonas von Manaus bis zum Rio Salimoes und dem Rio Negro.

Die Dimensionen dieses Stromes sind kaum vorstellbar: Nach Schätzungen wird der Amazonas aus 100.000 Nebenflüssen gespeist, von denen 1.100 größere Flüsse sind, 10 von ihnen würden jeder für sich aufgrund der Länge und der Wassermenge den Rhein in den Schatten stellen. Der Amazonas fließt fast durch den ganzen südamerikanischen Kontinent und bildet das größte Flusssystem der Erde. Das Amazonasgebiet ist weit größer als die Fläche Europas.

©Heiner Stienhans

Süßwassermeer

Nach fast 7.000 Kilometern schiebt der Amazonas seine Wassermassen in den Atlantik. Dabei strömt aus seiner Mündung ein Fünftel des gesamten Süßwassers der Erde. Das Flusswasser drängt das Salzwasser des Meeres fast 200 Kilometer weit in die See hinaus.

Entdeckt wurde dieses Phänomen von dem spanischen Schiffskapitän Vicente Yanez Pinzón, als er im Jahre 1500 die Ostküste der "Neuen Welt" in Südamerika erforschen wollte. Auf offenem Meer war er plötzlich von Süßwasser umgeben. Er gab der Süßwasserfläche den Namen El Mar Dulce, das Süßwassermeer. In Wirklichkeit war es die Mündung des Amazonas, die mehrere hundert Kilometer breit ist und erstaunlich große Inseln umfasst.

Das Flußbett ist so tief, dass selbst Überseeschiffe 3.700 Kilometer weit den Dschungelfluss hinauf fahren können. Selbst über 1.500 Kilometer landeinwärts ist der Fluss stellenweise noch 10 oder 11 Kilometer breit. Das riesige Amazonas-Flusssystem, mit der unübersichtlich großen Zahl von Nebenflüssen, nimmt etwa die Hälfte Brasiliens ein und Flächen von 8 weiteren südamerikanischen Ländern. In seinem über 4.000 Kilometer langen Lauf durch das mit Dschungel bewachsene Amazonasbecken hat der Amazonas nur ein Gefälle von knapp einem halben Zentimeter pro Kilometer. Das Flusssystem gleicht deshalb in weiten Teilen einem Binnensee.

Im Amazonas fließen ein Fünftel des Süßwasser der Erde

Manáus - Industriestadt im Amazonas-Zentrum

Entlang des Flusssystems gibt es nur wenige Städte, die vereinzelt im Dschungel liegen. Sie haben ausnahmslos einen mehr oder weniger großen Hafen. Im 17. Jahrhundert gründeten die Portugiesen in der Frühzeit ihres Königreiches Brasilien alle diese Städte. Mitten im Zentrum des riesigen Amazonas-Dschungels liegt Manáus. Sie ist die bekannteste Stadt am Amazonas. Um 1900 kam Manáus zu ansehnlichem Reichtum, als Kautschuk begehrt war und gute Preise erzielte. Der Kautschuk wurde von den Dschungelbäumen gezapft. Manáus war die zweite Stadt in Brasilien, die Elektrizität bekam. Aber nach kurzer Zeit, um 1920, war der Kautschukboom vorbei. Das prachtvolle Opernhaus und die breiten, gepflasterten Straßen verfielen Jahr um Jahr und wurden zu Überbleibseln einer reicheren Zeit.



Größere Kartenansicht

Heute ist Manáus wieder eine der größten Städte Brasiliens, mit 1,4 Millionen Einwohnern. Hier werden viele elektronische Konsumwaren wie Fernseher oder Videogeräte, aber auch Motorräder hergestellt. Und Manáus ist wie eh und je Ausgangspunkt für Forschungsreisen in den Dschungel, Treffpunkt für Abenteurer und Reisende. Von hier aus lässt sich der Regenwald entlang der Flüsse entdecken. Im Amazonas reist man nicht auf Straßen, sondern auf dem Wasser.


©Heiner Stienhans

Die Flüsse sind die Straßen des Dschungels: 80.000 Kilometer insgesamt sind schiffbar auf dem Amazonas und seinen zahlreichen Nebenflüssen. Auf den üblichen Passagierschiffen finden nicht nur Fahrgäste Platz, sondern im unteren Stock erdulden Tiere die Schifffahrt – Rinder, Schweine oder Pferde etwa. Dadrüber liegen die Passagiere in ihren Hängematten.


©Heiner Stienhans

Wasser erstaunlich klar

Wer sich in dem weiten Netz der unterschiedlichen Flüsse und Nebenflüsse bewegt, ist überrascht und erstaunt über die unterschiedlichen Farben der Flüsse. Jahrhunderte lang waren Forscher aus der Wildnis zurück gekehrt und hatten von schwarzen und weißen Flüssen erzählt. So hat auch der deutsche Forscher Alexander von Humboldt auf seiner Reise durch das Amazonasgebiet um das Jahr 1800 von Schwarz- und Weisswasserflüssen geschrieben. Tom Sterling bezeichnet in dem Time-Life-Buch „Der Amazonas“ die weißen Flüsse als schmutzig gelb, etwa wie die Farbe einer „dünnen Erbsensuppe“. Das Wasser in den als schwarz bezeichneten Flüssen sei eher rot und sehe aus wie starker Tee. Doch die schwarzen Flüsse seien überraschend klar, denn die Farbe sei keineswegs gleichbedeutend mit schmutzig, sondern gehe auf den feinen Humus im Fluss zurück.

Die schwarzen und blaugrünen Flüsse sind deshalb so klar, weil sie praktisch keine Schwebstoffe enthalten. Sie gehören zu den reinsten Gewässern der Welt. „Man kann sich über den Bootsrand lehnen und so unbesorgt aus dem Fluss trinken wie aus einem Glas Wasser“, meint Sterling.

Bei Hochwasser, während der Regenzeit, verändert sich die Region vollständig. Die Ufer werden weithin überschwemmt und der Dschungel steht metertief im Wasser. Allerdings setzt die Regenzeit in diesem riesigen Gebiet zu ganz unterschiedlichen Zeiten ein, denn das Gebiet ist klimatisch nicht einheitlich. Doch überall gibt es viel Niederschlag, wenn auch zu verschiedenen Zeiten im Jahr. In den tiefer Gelegenen Gegenden bilden sich Seen, die Várzea-Seen.


Literatur:

>> Tom Sterling, Der Amazonas, Time-Life-Buch      1989
>> Hans Otzen, Amazonien, Köln 1991

Der Amazonas

Länge:
6.400 - 7.025 Kilometer, je nach Quellfluss

Nebenflüsse:
100.000 davon 1.100 größere und 17 große Flüsse - mindesten 1.600 Kilometer lang

Klima:
tropisch, ganzes Jahr 25 bis 29 Grad am Tag

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