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Reise

Surfing the Amazon

Die größte Flusswelle der Erde bringt Kick und Chaos

Die größte und sensationellste Flusswelle der Erde erhebt sich jedes Jahr im Frühling im Atlantik und rollt den Amazonas hoch. An den Ufern reißt sie alles mit sich fort – bis zu 4 Meter hoch türmt sich das Wasser. Paradies und Herausforderung für Surfer aus aller Welt.

Man hört sie, bevor man sie zu Gesicht bekommt. Die Riesenwelle im Amazonas heißt nicht von ungefähr Pororoca. Denn die Bezeichnung Pororoca kommt von den Tupi-Indianern und bedeutet soviel wie „großer, zerstörerischer Lärm“. Die ungewöhnliche Flutwelle türmt sich im Mündungsgebiet des Amazonas bis zu 4 Meter hoch und rollt gegen die Strömung des Flusses bis zu 13 Kilometer weit den Amazonas hinauf und die Nebenflüsse hoch.

Das spektakuläre Naturphänomen tritt vor allem im Frühjahr auf, jeweils um die Zeit des Vollmondes. Besonders im März, am Ende der Regenzeit, wenn der Wasserspiegel hoch ist, wird die Welle zum Naturschauspiel, das mittlerweile viele Touristen anzieht.

Stärker als der Amazonas

Die Riesenwelle hat ihre Ursache in den Gezeiten, sie entsteht mit der Flut. Bei Ebbe strömt das Amazonas-Wasser in den Atlantik und drückt das Meer zurück. Doch dann wendet sich das Blatt: Die Flut lässt die riesige Welle entstehen, die gegen die Strömung des mächtigen Amazonas siegt und den Fluss zurückdrängt.

Der französische Ozeanforscher Jacques Cousteau war wohl der erste, der die Welle dokumentierte. Bei der Aktion 1984 soll ein Teil seiner Ausrüstung verloren gegangen sein.

Der längste Ride auf einer Welle

Die Surfer-Szene entdeckte die Welle 1997. Seither treffen sich die besten Surfer aus aller Welt im März und April am Amazonas, um den längsten Ride auf einer Welle zu erleben. Wenn ein Surfer im Meer eine gute Welle erwischt, wird sie ihn eine halbe Minute tragen. Doch dem Amazonas scheinen die Surfer besonders zu gefallen. Die Pororoca gibt Surfern Minuten lang, ja den besten eine halbe Stunde lang den Spaß und Kick mit den Wassermassen den Strom hoch zu surfen.

Seit 1999 gibt es jedes Jahr in Sao Domingos da Capim in Nordbrasilien der „Pororoca Surf Championship“. Der Ort liegt etwa 90 Kilometer von der Mündung landeinwärts. Bei dem Wettbewerb gelang es dem besten Surfer, dem Brasilianer Picuruta Salazar, 37 Minuten lang mit der Welle zu surfen, dabei legte er mehr als 12 Kilometer zurück.

Das kleine Sao Domingos da Capim kann den Ansturm der Surfer, Zuschauer und Journalisten kaum bewältigen. Im letzten Frühjahr strömten 2.500 Menschen in den kleinen Ort, um die Pororoca und den Wettbewerb zu erleben. Dabei ging das Trinkwasser aus und das Essen wurde knapp.

Noch gehört der Wettbewerb nicht zu den anerkannten Highlights der etablierten Surfer-Szene. Doch der Championship ist de einzige Surfer-Wettbewerb auf einem Fluss.

Tage lang auf die Welle warten

Den Surfern muss es gelingen, von einem Motorboot aus auf die Welle zu kommen. Wer sie verfehlt, muss Tage oder gar Monate auf die nächste warten. Angeblich ist es um einiges schwerer auf einem Fluss zu surfen, als auf dem Meer. Denn im Meer trägt das Salz im Wasser die Ausrüstung. Auf dem Fluss muss man mehr Acht geben nicht unterzugehen.

Im Amazonas fürchten sich die Surfer zwar nicht vor Haien, doch andererseits müssen sie vor Alligatoren, Anakondas und Piranhas auf der Hut sein.

Die schmutzig-braune Riesenwelle stellt allerdings für die Surfer eine besondere Herausforderung dar. Denn sie führt tonnenweise abgerissene Erde vom Ufer und Dreck mit sich, ja reißt ganze Bäume vom Ufer und spült alles den Fluss hinauf, wirft Boote um oder spült sie in den Wald.

Quellen:

  • Fritz Neumann: Surfeando el Amazonas, in RUMBOS No.38 Peru 2003
  • Larry Rohter, “Far from the ocean, surfers ride Brazil´s endless wave”, in: The New York Times
  • Victor M. Ponce, “What a Bore!”
Bis zu 4 Meter hoch türmt sich das Wasser. Die Welle reißt ganze Uferbereiche mit sich fort.
© Skarwan
Für Surfer ist die Pororoca ein einzigartiges Erlebnis: Auf einer Welle reiten - kilometerweit!
© Werneck
Der beste Surfer blieb 37 Minuten auf seinem Brett und die Pororoca trug ihn 12 Kilometer weit mit sich den Amazonas hinauf.
© Skarwan

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Various Artists - Pororoca

Die Pororoca baut sich im Atlantik auf und drückt dann den Amazonas stromaufwärts.
© Werneck
 

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