Reisebericht
Biss einer Buschmeister?
Ärzte hatten ihnen geraten im Falle eines Bisses die Wunde weder auszusaugen noch auszuschneiden. Doch einen nützlichen Rat hatten sie auch nicht, außer entspannen und den Trost, dass 60 Prozent aller Menschen, die von Schlangen gebissen werden, von selbst wieder genesen, weil die Schlange oft gar nicht die tödliche Menge Gift injizieren kann.
Sie kannten genug Geschichten über die Buschmeisterschlange. Jorge, ein brasilianischer Holzfäller, den sie weit draußen im Urwald getroffen hatten, ließ sie mit seiner Geschichte erschauern. Er hatte zwei Kilometer von seiner Hütte entfernt einen Baumstamm ergriffen und wurde in dem Moment unten an der Daumenwurzel von einer Surucucu, einer Buschmeisterschlange gebissen.
Grauenvolle Schmerzen
"Ich wusste, dass ich fast keine Chance hatte", erzählte Jorge. Deshalb beschloss er sich die Hand abzuschneiden. Er ging davon aus, dass er damit das meiste Gift loswerden würde, wenn er sie in den ersten 30 Sekunden nach dem Biss abhacken würde.
"Also legte ich meine Hand auf einen Baumstamm, nahm die Machete in die linke Hand und schlug zu. Ich band mein Hemd oben um den Arm, um den Blutfluss zu unterbinden und machte mich auf den Heimweg. Die Schmerzen waren grauenvoll. Ich wusste, der Arm würde absterben. Ich musste etwas unternehmen. Also erhitzte ich ein Stück Metall über dem Feuer, bis es rotglühend war, presste den Armstumpf darauf und ließ ihn brutzeln, bis die Wunde geschlossen war. Dann sprang ich ins Boot und erreichte nach Stunden ein Krankenhaus."
Heldenstories
Die beiden Reisenden bewundern den Mut dieses Brasilianers und sprechen nur mit Ehrfurcht von ihm. Doch Tage später treffen sie einen Kollegen von Jorge. Der bemerkt zu der Geschichte ganz gelassen: "Es gibt viele Männer, die solche Unfälle haben, wenn sie mit Kreissägen arbeiten."
Wie viele Holzfäller, denen eine Hand, ein Arm oder Bein fehlen, wohl solche Heldenstories erzählen, um in den Augen der anderen besser darzustehen?
Doch schließlich wäre John noch fast auf eine Buschmeister getreten. Sie war so getarnt im Laub, dass er sie erst im letzten Moment erblickte und Abstand halten konnte. So verläuft das Abenteuer am Ende glimpflich ab und beide finden den Weg zurück in die Zivilisation.
Obwohl die Reise bereits 15 Jahre zurück liegt, hat der Bericht nichts von seiner Aktualität verloren, denn die Bedingungen sind bis heute die gleichen geblieben. Das Buch ist zudem spannend geschrieben und das, obwohl es auf über 240 Seiten nur eine Paddeltour auf einem Fluss beschreibt.
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