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Reisevortrag

Abenteuer mit Sinn

Nehbergs Einsatz für Menschenrechte

"Querschnitt durch ein aufregendes Leben", nennt Nehberg seinen Dia-Vortrag, mit dem er durch Deutschland reist. Er will informieren, durchaus auch unterhalten. Und er erfüllt im Laufe des Abends beide Ansprüche. Wenn es um seine Abenteuer geht, um Aktionen bei denen den Zuhörern der Ekel packt oder die Angst im Gesicht steht, dann löst er dies sofort mit Humor auf. Kein Herausstellen seiner Person wegen der unglaublichen Dinge, die er durchgestanden hat. Es sind schließlich Situationen, denen er sich freiwillig ausgesetzt hat, niemand zwang ihn dazu.




Doch es bleibt nicht alles im Ungefähren der Abenteuer. Damit fing indes wohl alles an. Mit 50 Jahren trat er aus seinem etablierten Leben als Großbäcker in Hamburg heraus. Ihm war es nicht genug, einen wirtschaftlich gut gehenden Konditoreibetrieb in der Hansestadt zu führen, mit dem er es auch noch verstand, auf die bunten Seiten der Zeitungen zu kommen, denn er hatte als Konditor immer eine zündende Idee. "Es stellte mich aber nicht zufrieden", erinnert er sich.

Bergsteigen übt er nicht an einer Club-Kletterwand, sondern an der Decke seiner Backstube, dort hat er die Haken eingedübelt und schwebt über dem Teig. So unkonventionell ging es dann auch weiter. Er bekommt Wind von der Survival-Bewegung in den USA, ist begeistert und importiert, wie er sagt, das Survival-Wissen nach Deutschland. Sein erstes Survival-Erlebnis wird eine Wanderung ohne Essen oder Geld durch Deutschland, von Hamburg bis nach Obersdorf.

Er will sich allein von der Natur ernähren und da bleibt nicht viel, außer Insekten. In den Zeitungen wird er zum Würmer-Esser und versteht es, durch die Ekelgefühle Aufmerksamkeit zu erlangen.


Doch er gibt sich nicht zufrieden mit solchen Survival-Aktionen. Er will seinen Abenteuern Sinn geben. Er bindet seine Abenteuerlust stärker an den Einsatz für Menschenrechte. In Brasilien hört er von den Yanomamis im Amazonas, einem der letzten noch frei lebenden Indianervölker - über 20.000 Menschen in einem Urwaldgebiet so groß wie die Schweiz, angeblich geschützt durch einen Militärgürtel vor Eindringlingen. Doch Nehberg erfährt bald, dass tausende von Goldsuchern in das Indianergebiet eindringen. Er macht sich selbst zu ihnen auf und erlebt sie nicht als „edle Wilde, wie Karl May erzählt hatte“, sondern als „Ballerköpfe genauso wie wir“. Doch es gibt keine Luxus, keinen Reichtum, keinen Fortschritt und keine Hektik. Trotz der Probleme mit den Weißen nehmen die Indianer Nehberg freundlich auf.

Bald erkennen sie in ihm einen Freund und der Hamburger beginnt sich für sie zu engagieren. Denn die Indianer haben keine Chance gegen die 65.000 bewaffneten Goldsucher, die in ihr Gebiet eindringen. Mit dem Dokumentarfilmer Wolfgang Brög mischt er sich zwischen die Goldsucher. Die beiden geben sich als Goldsucher aus, lassen sich in ein Camp fliegen und filmen heimlich, was die Goldsucher im Indianergebiet anrichten. Damit setzen sie ihr Leben aufs Spiel. Denn die Goldsucher und ihre Hintermänner verstehen keinen Spaß mit denjenigen, die sich gegen ihre Interessen stellen. Mit ihrem Dokumentarfilm aber können sie schließlich die Verbrechen der Goldsucher öffentlich machen.

Die Wirkung des Films aber stellt Nehberg nicht zufrieden. Er sucht nach einer Aktion, um die Medien weltweit auf die Bedrängnis der Yanomamis aufmerksam zu machen. Im Oktober 1987 startet der Abenteurer eine Reise über den Atlantik allein in einem Tretboot. Mitten auf dem Atlantik bricht der Funkkontakt ab, Nehberg gilt in Deutschland wochenlang als verschollen. Nach 42 Tagen Einsamkeit erreicht er die Küste Brasiliens. Insgesamt setzt er sich 18 Jahre lang für die Yanomami ein, wird vom Papst empfangen, findet Gehör bei der UNO und bei der Weltbank.

Heute herrscht Frieden im Gebiet der Yanomami-Indianer in Brasilien. Nehberg hat gewiss einen großen Teil dazu beigetragen. Die brasilianische Regierung musste schließlich das Reservat der Indianer gegen die Goldgräber schützen. Nur so blieben die Rechte der Indianer gewahrt und die gewaltsamen Konflikte nahmen ein Ende.

Rüdiger Nehberg mit Bernd Kulow (amazonas.de) in 2004 in Bonn
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