Suchen      Sitemap      Videos  
  Weblog  
  Kinder  
 Newsletter  

Extremes Abenteuer

Verloren im Regenwald

Rüdiger Nehberg berichtet über seine Abenteuer

© target

Der bekannteste Abenteurer, Menschenrechtsaktivist und Überlebenskünstler Deutschlands, Rüdiger Nehberg, war im Amazonasdschungel verschwunden ohne Kontakt. Jetzt ist er wohl behalten zurück. Auf seiner offiziellen homepage berichtet er über seine Abenteuer im Regenwald.

Ende Juli hatte er sich im Regenwald Amazoniens von einem Hubschrauber absetzen lassen, weit entfernt von jeglichen Menschen. Mitgenommen hatte er nur ein Haumesser und ein Satellitentelefon. Nehberg wollte allein mit seinem Survivalwissen in die Zivilisation zurück finden.

Zunächst ließ er sich von Indianern trainieren. Zwei Häuptlinge vom brasilianischen Volk der Waiapí haben ihn zwei Wochen lang in die Geheimnisse des Regenwaldes eingeführt. Sie zeigten ihm, „wo Schmerztabletten wachsen und wie ich Durchfall gestoppt kriege“, so der 68jährige Norddeutsche. Er notierte alle Tipps und die Merkmale und heilenden Eigenschaften der einzelnen Pflanzen. Doch auf sich allein gestellt, war das Auffinden von bestimmten Pflanzen nicht mehr einfach. "Um die Vielfalt und Genialität des Waldes begreifen zu können, muss man dort geboren sein. Als ich die Schmerztabletten brauchte, fand ich sie nicht. Nur die Durchfalldroge. Aber ausgerechnet Durchfall war das einzige, das ich nicht hatte."

Als ihn der Hubschrauber an der Grenze zu Guyana absetzte, rutschte er an einem Seil in den Wald hinunter, in ein Buschgelände. Doch das harmlos aussehende Gebüsch entpuppte sich als bösartiges Dornengestrüpp. Als er auf dem Boden ankommt, ist er von Risswunden übersät und blutet am ganzen Körper.

Doch was ihn viel schlimmer trifft: Sein Haumesser ist im Gestrüpp verschwunden. Die Indianer hatten ihm eingeprägt, ein Haumesser und ein Feuerzeug seien die unverzichtbaren Werkzeuge, ohne die er im Regenwald verloren wäre. Zweieinhalb Tage sucht er vergeblich nach dem Messer. Nun muss er sich ohne Messer durch den Wald schlagen, um zur Zivilisation zurück zu finden. Zu allem Unglück schwellen seine Hände an und er bekommt Fieber.

Seine einzige Chance sind die Flüsse, denn in Amazonien fließen alle Flüsse am Ende in den Amazonas. Die Flüsse sind die Wege, auf denen er zurück finden kann. Seine einzige Chance. Er braucht ein Floß. Doch wie soll er ohne Messer ein Floß bauen?

Er findet eine Pflanze, die ihm wie eine Mischung aus Bambus und Rhabarber vorkommt. Die Stengel eignen sich ideal zum Bau eines Floßes. Es gelingt ihm, aus 60 dieser Pflanzen ein drei Meter langes Floß zu bauen. "Mit dem Haumesser hätte ich nie im Traum daran gedacht, eine solche Pflanze als geeignet in Erwägung zu ziehen. Statt dessen hätte ich mich mit schweren Stämmen abgequält", schreibt Nehberg.

Er ernährt sich von Nüssen und Heuschrecken. Dann begegnet er einer drei Meter langen Boa: "Ich fange sie. Sie ist nervös. Ich auch. Sie spuckt zwei Fische aus. Einer ist verdaut bis auf die Gräten. Der andere ist fangfrisch. Ich brate ihn mir." Die Schlange läßt er wieder frei. Viel zu essen findet er nicht, nimmt 11 Kilo ab. Dann fällt auch noch das Satellitentelefon aus. Nun ist er ohne jeglichen Kontakt allein im tiefen Dschungel.

Nach 25 Tagen stößt er auf die ersten Menschen: Wai-Wai-Indianer. Er wähnt sich am Ziel, zurück bei Menschen, wieder in der Zivilisation. Doch ihn erwartet nichts Gutes: Von der Staatsanwaltschaft wird er als Biopirat und Steuerhinterzieher beschuldigt. Außerdem befinde er sich ohne Erlaubnis in Sperrgebieten. Schon einmal wurde er aus Brasilien ausgewiesen wegen illegalen Aufenthaltes bei den Yanomami-Indianern. Nun soll er Steuern bezahlen, da er einen Film in Amazonien gedreht hat, mit dem er in Deutschland Geld verdienen werde - "aberwitzige Summen", wie er schreibt. Doch am Ende lenkt die Staatsanwaltschaft ein: Mit einer Geldstrafe und der sofortigen Ausweisung findet er sich ab.

Nehberg sieht sein Ziel erreicht: Er wollte mit einem verrückten Abenteuer die Aufmerksamkeit der Medien erregen, um "die hohen Werte Brasiliens, die Indianerkulturen und den Regenwald, weltweit bewusster, liebens- und schützenswerter zu machen." Bei der ganzen Aktion, seinem einsamen Aufenthalt im Regenwald, hatte er eine Filmkamera dabei. Mit der Filmdokumentation will er nun die Einzigartigkeit des Weltnaturerbes Regenwald darstellen, Sympathien für ihn aufbauen und die Schutzbedürftigkeit dieses einzigartigen Ökosystems ins Gespräch bringen. "Meine Hommage an die Lebensart der Indianer und meinen Freund, den Regenwald", schreibt der Umweltaktivist.

Nehberg hat bereits lange Zeit im Amazonas verbracht. Jahrelang setzte er sich für das Überleben der Yanomami ein. Die Yanomami waren durch Goldsucher in ihrer Existenz aufs äußerste bedroht. Spektakuläre Aktionen Nehbergs trugen dazu bei, dass die Weltöffentlichkeit auf die Yanomami aufmerksam wurde. Die pro-indianische Lobby bewirkte, dass die brasilianische Regierung den Yanomami Schutz gewährte.

© target

email an webmaster amazonas.deimpressumcopyrightPortal LiteraturPortal WissenPortal ReisePortal Geschichte Portal IndianerPortal Regenwaldemail an amazonas.deStartseite amazonas.de