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Interview

Kolumbien kein Reiseland mehr?

Das AMAZONAS.de-Interview zur Situation in Kolumbien mit dem Experten Dr.Frank Semper.

Wie gefährlich ist momentan eine Reise nach Kolumbien? Dr. Frank Semper, Kolumbienexperte, der seit vielen Jahren als unabhängiger Berichterstatter auf eigene Faust und eigene Kosten in Kolumbien unterwegs ist, schätzt für AMAZONAS.de die Lage in Kolumbien ein.

AMAZONAS.de: Herr Semper, würden Sie im Moment von einer Reise nach Kolumbien abraten?

Dr. Semper: Im Augenblick sollte man auf jeden Fall die Sierra Nevada de Santa Marta im Norden des Landes an der Karibik meiden. Dort hat sich aktuell eine Entführung ereignet. Eine Region, die schon seit vielen Jahren umkämpft ist zwischen Paramilitärs, Guerillas, Drogenhändlern und der Armee. Ob die FARC, die größte Guerilla-Organisation mit 15.000 bis 20.000 Mitgliedern, verantwortlich für die Entführung ist, weiß man nicht genau.


AMAZONAS.de: Was würden Sie einem Traveller empfehlen?

Dr. Semper: Kolumbien ist ein Land, welches immer schon schwer zu bereisen war. Es bedarf einer Vorbereitung, um zu wissen, welche Region man aufsuchen kann und welche Region man lieber meiden sollte. Es ist auf jeden Fall ratsam, zurzeit nicht in abgelegene Regionen des Landes zu reisen oder sich zumindest beim Auswärtigen Amt oder vor Ort in Bogota, der Hauptstadt, oder auch in den einschlägigen Traveller-Treffs, zum Beispiel an der Karibikküste in Cartagena oder St. Martha, zu informieren, welche Regionen besser nicht zu bereisen sind.

AMAZONAS.de: Wie haben Sie Kolumbien auf Ihren vielen Reisen erlebt? Was bedeutet Ihnen dies lateinamerikanische Land?

Dr. Semper: Bei aller Kritik an der derzeitigen Entwicklung – Entführungen, Autobomben, militärische Aufrüstung des Staates – ist Kolumbien ein außergewöhnlich schönes, kulturell hoch interessantes Land, das voller positiver Überraschungen steckt. Wer sich also aus dem geistigen Einheitsbrei unserer Massengesellschaft einmal ausklinken möchte, den kann ich nur ermuntern, das Land zu besuchen. Ein wenig Spanisch sollte man schon sprechen und den Menschen offen entgegentreten…

AMAZONAS.de: …eine Entführung kann man aber wohl nicht ganz ausschließen. Sollte man da nicht lieber ein anderes Reiseziel wählen?

Dr. Semper: Die Lageeinschätzung muss jedem einzelnen selbst überlassen bleiben. Die Reise nach Kolumbien setzt aber in jedem Fall eine intensive Vorbereitung voraus. Dann kann man in etwa sicher sein, dass man vor dem Schlimmsten, nämlich einer Entführung, sicher ist. Allerdings eine absolute Garantie gibt es dafür nicht. Kolumbien ist aber sicherlich kein Land für Pauschalreisen, Wellness-Touren oder dergleichen, aber es ist, was den persönlichen Gefährdungsgrad betrifft, auch nicht mit Afghanistan, Irak, Israel, der Elfenbeinküste, Nigeria oder anderen derzeitigen Krisenherden auf eine Stufe zu stellen.

Kolumbienexperte Dr. Frank Semper und Hella Braune auf Recherchetour in einer DC 3-Frachtmaschine über dem kolumbianischen Amazonasgebiet
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