Interview
20 Jahre Filmaufnahmen im Amazonas
Filmemacher Wolfgang Brög im Gespräch mit AMAZONAS.de
Seine Münchner Wohnung gleicht einer kleinen Privatausstellung: Indianerpfeile unterschiedlicher Stämme, Kunst- und Ritualgegenstände, Gemälde mit den Farben des Dschungels. Wolfgang Brög ist einer der wenigen Filmemacher weltweit, die den Amazonas wirklich kennen. Seit 20 Jahren filmt Brög im Dschungel. Seine 5-teilige Serie "7000 Kilometer Mythos - der Amazonas" lief in 2003 zum ersten Mal zur Primetime im Bayerischen Rundfunk und wird zurzeit auf den 3. Programmen und den Doku-Kanälen gesendet. Mehr Infos über diese Serie gibt es auf der Webseite von Wolfgang Brög www.irisfilm.de
Bernd Kulow, AMAZONAS.de, sprach mit dem Münchner Filmemacher.
AMAZONAS.de: Herr Brög, man stellt sich den Regenwald meist als undurchdringlichen Dschungel mit wilden, giftigen Tieren vor. Wie gefährlich ist der Regenwald für einen Europäer?
Wolfgang Brög: Der Regenwald selbst ist nicht gefährlich, wenn man sich einigermaßen vernünftig verhält und sich nicht im Wald verläuft. Bei uns sind falsche Vorstellungen weit verbreitet und die werden leider von den Medien weiter genährt. Man fürchtet im Regenwald auf Schritt und Tritt von gefährlichen Tieren bedroht zu sein. Als würde es dort von Krokodilen, Piranhas oder Giftschlangen nur so wimmeln. Als Kameramann und Filmemacher war ich tage- und wochenlang im Regenwald unterwegs. Es war für mich immer ein großer, glücklicher Tag, wenn ich ein wildes Tier zu Gesicht oder besser vor die Kamera bekam. Ohne Hilfe durch die Indianer gelingt dies fast nie.
AMAZONAS.de: Wie werden Sie denn von den Indianern aufgenommen? Sind die Indianer Ihren Filmabsichten gegenüber offen?
Wolfgang Brög: Die Indianer reagieren heute ganz anders auf eine Kamera als noch vor einigen Jahren. Sie wissen, dass mit diesen Filmen Geld verdient wird und dass sie Rechte haben. Also wollen sie daran teilhaben. Es gibt genügend Fernseh- und Filmteams, die hohe Preise zahlen.
Am unteren Amazonas bin ich einmal eine Woche lang einen Nebenfluss hinauf gefahren zu einem Indianerdorf. Ich war kaum ausgestiegen, da wollten die Indianer von mir einen Außenbordmotor und einen Fernseher haben. Als Dokumentationsfilmer zahle ich aber nichts. Bei unseren Dreharbeiten zu der 5-teiligen Serie wollten die Asharnika-Indianer in Peru gleich einen Lastwagen als Gegenleistung für Filmaufnahmen.
Das braucht oft viel Geduld, um ihr Vertrauen zu gewinnen und um sie davon zu überzeugen, dass ich ihre Anliegen vertrete, ihnen ein Forum biete und deshalb nichts bezahle. Sie sind eben leider in der Vergangenheit zu oft betrogen worden.
AMAZONAS.de: Wie lange waren Sie für die Fernsehserie unterwegs?
Wolfgang Brög: Für die TV-Serie war ich mit einem Team von drei, manchmal vier Mitgliedern insgesamt 230 Tage auf dem Amazonas unterwegs, allerdings mit Unterbrechungen. Für mich ist ein hoher Qualitätsstandard entscheidend. Die Kosten sind dementsprechend hoch. Gute Dokumentationen sind heute im Fernsehen leider immer schwieriger zu realisieren. Reich werden kann man dabei nicht, da muss schon sehr viel Leidenschaft dabei sein.
Verkaufen kann man heute eher Filme, die den gängigen Klischees vom Amazonas entsprechen, also mit vielen Krokodilen, Schlangen, bunten Indianern oder blutrünstig dargestellten Piranhas. Doch damit wird die Wahrheit falsch dargestellt und werden irrige Vorstellungen noch verstärkt.
AMAZONAS.de: Wie aber sieht es mit Krankheiten aus? Kann man sich als Europäer nicht leicht eine Krankheit im Dschungel zu ziehen?
Wolfgang Brög: Die größte Gefahr im Regenwald bildet die Malaria. Die tödliche Gefahr trifft aber vor allem die Einheimischen, weil sie meist keine Medikamente haben. Als Europäer kann man sich im Falle einer Malaria-Infektion mit Medikamenten erfolgreich behandeln.
AMAZONAS.de: Nehmen Sie jedes Mal vor Ihren Amazonas-Reisen Tabletten gegen Malaria ein?
Wolfgang Brög: Die Nebenwirkungen einer Malaria-Prophylaxe können sehr schwer wiegend sein. Ich stimme da mit den meisten Tropenexperten überein und würde von einer Prophylaxe abraten, zumindest wenn man längerfristig im Amazonas ist. Ich selbst habe immer ein Malariamittel dabei für den Ernstfall.
AMAZONAS.de: Malaria wird von Mosquitos übertragen. Sind die nicht in jedem Fall lästig?
Wolfgang Brög: Ganz sicher! Unangenehm ist das Jucken, sind die vielen Stiche, nicht nur von den Mosquitos, sondern auch von Sporen, Milben und Insekten jeglicher Couleur. Aber zum Glück gewöhnt sich der Körper mit der Zeit daran und reagiert dann anders auf die Stiche.
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