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Unterwegs im Amazonas

Wald und Wasser

Sabina und Georg berichten per Email von ihrer Reise durch den Amazonas Teil 2

© Georg Lennarz

Sabina und Georg aus Bonn sind ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs - Sie haben sich von Venezuela aus nach Brasilien durchgeschlagen und sind von Manaus aus den Amazonas hoch gefahren bis Peru.

von Georg Lennarz

21. November 2004 Iquitos, Peru

Wir haben gestern das Schiff verlassen, und wie es so oft ist, am Ende hätten wir noch ewig weiterfahren können, wenn "Die Entdeckung der Langsamkeit" nicht schon geschrieben wäre, hätten wir das jetzt nachgeholt.
Wir sind von Manaus aus den Amazonas hoch und weiter durch diverse unaussprechliche Nebenfluesse geschippert, über 3000 km weit, 4 Wochen lang, bis wir gestern das Schiff in Yurimaguas, Peru, verlassen haben. Und hier gibt es wieder eine, wenn auch schlechte Strasse, die uns Dienstag in die trockene Welt bringen wird. In die Berge oder an den Pazifischen Ozean, egal, irgendwohin, wo es weniger Moskitos und weniger Grad gibt.
Aber, bis auf die Stiche und den Schweiss geht es uns gut.

Entgegen vielseitiger Warnungen vor den Zuständen auf den Booten war es doch meistenteil eher eine Kreuzfahrt. Nun haben wir wohl auch Glück mit der Schiffsauswahl gehabt, von Manaus bis zur kolumbianischen Grenze sogar eine Kabine uns geleistet mit Kühlschrank, Klimaanlage, eigenem Bad und einem Fernseher, was allerdings völliger Quatsch ist, denn das Boot hat eine Satellitenschüssel auf dem Dach, bewegt sich aber doch zu sehr, um den Satellit auch zu finden.

Das führte dazu, das wir von der amerikanischen Wahlkatastrophe mit einigermassener Gewissheit erst Tage spaeter erfahren haben. Gottseidank hatte das Boot von der kolumbianischen Grenze nach Iquitos, mehrere Motorschäden, so dass wir das ansonsten doch meistens sehr weit entfernte Amazonasufer ausgiebig kennengelernt haben.

Iquitos, eine Stadt mit 500 000 Einwohnern ohne Straßenverbindung, empfing uns daraufhin mit einem Fernsehauftritt, Gerichtsterminen und dem peruanischen Versuch einer Supervision zwischen den aufgebrachten Fahrgästen des Bootes und seinem Besitzer, der sich weigerte, wenigstens einen Teil der Fahrtkosten, die erheblich waren, zu erstatten.

Die Amazonasfahrt gehört zu den schönsten Eindrücken, die ich je hatte, man entdeckt die Größe der Welt in einem menschenleeren Gebiet aus Wald und Wasser, versprenkelten Missionsstationen, einzelnen Hütten am Fluss und... sonst gar nichts. Doch! Der Koch hatte die Eigenschaft, Essen von den Indios am Flussufer zu besorgen, das führte zum Genuss von Vögeln und auch einer Schildkröte, wenn man es denn über sich brachte. Es tut mir leid, aber ich brachte es ueber mich. Und von den Riesenratten haben wir nur noch eine gesehen.

copyright: Georg Lennarz

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