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Reisebericht 

Amazonas extrem

Mit dem Schlauchboot von der Quelle bis ins Mündungsdelta

Es ist zweifellos ein spannend geschriebenes Buch, man legt es nicht so schnell aus der Hand. Ich habe es in eins gelesen und nahm dabei an einer aufregenden Reise teil, zu Fuß oder im Schlauchboot, von den ersten Tropfen der Amazonasquelle 5.400 Meter hoch in den schneebedeckten Anden den Fluss hinunter bis auf die andere Seite des südamerikanischen Kontinents an die Atlantikküste.

Zuvor aber hatte ich das Buch lange liegen gelassen. Das Titelfoto erinnerte mich an Mallorca-Touristen, denen die Bierdosen abhanden gekommen waren. War es ein Buch von drei grölenden weißen Männern, die trinkend den Amazonas hinunter paddelten?

Es ist ein Abenteuerbuch, das von drei Männern handelt, die immer wieder dem Tod ins Auge sehen, in Form eines reißenden Wildwassers in den Anden mit unberechenbaren Strudeln und Felsbrocken, von Abenteurern, die später vom Ufer aus beschossen werden, häufig bedroht sind und doch schließlich ihr Ziel erreichen: die Mündung des Amazonas.

Das Buch erzählt von dem Fluss Amazonas, aber wenig vom Regenwald und fast nichts von den Indianern oder anderen Bewohnern des Dschungels. Der Regenwald bleibt den drei jungen Männern aus Kanada, Australien und Südafrika fremd: „Wir fürchteten uns vor dem, was im Dschungel lauerte.“ Als sie aus den Anden ins Amazonastiefland kommen, bauen sie ihr Raft zum Ruderboot um und bewegen sich aus Furcht vor peruanischen Terroristen, Banditen und wegen der Mückenplage vorwiegend in der Mitte des Stromes und rudern auch nachts: „Wir erfuhren nichts über die Menschen oder die Landschaft, die wir passierten.“

Der eigentliche Schwerpunkt des Buches liegt denn auch in der Bezwingung der Quellflüsse des Amazonas. Dort befinden sie sich nicht im tropisch-feuchten Dschungel, sondern geschwächt von der Höhenkrankheit in bis zu 5.800 Metern Höhe. Unklar ist nach ihrer Ansicht bis heute, welches nun dort oben der eigentliche Quellfluss des Amazonas ist. Denn dort gibt es zwei Bäche, die von zwei Bergen – dem Mismi und dem Quehuishua – herabfließen. Welcher von beiden ist der längste und damit der eigentliche Quellfluss? Sie vermögen es nicht zu entscheiden und besteigen beide, wobei sie im Schneesturm beinahe endgültig nicht nur die Orientierung verlieren, sondern auch ihr Leben aufs äußerste riskieren.

Doch bevor sie dort oben anlangten, verdursteten sie fast in der Wüste. Denn ihr Ziel war auch, von einer Seite des Kontinents zu anderen zu kommen. So starten sie an der pazifischen Küste in Camaná und müssen zunächst eine Wüste durchqueren. Ihre Karte ist ein halbes Jahrhundert alt. Zudem verrechnen sie sich mit dem Wasservorrat, quälen sich durch die höllisch brennende Wüstenhitze ohne einen Tropfen Wasser - ihr Gepäck längst abgeworfen und zurück gelassen. Wie sollen sie die Oase finden, die auf der Landkarte verzeichnet ist, sich aber vor ihren Augen verbirgt?

Schließlich steht ihnen das eigentliche Abenteuer bevor, auf das sie sich vorbereitet haben: Die Wildwasserfahrt mit dem Schlauchboot den Apurímac hinunter. „Wir stießen uns mit dem Boot in den Fluss ab. Die Menschen am Ufer blickten finster und grimmig drein – wir paddelten gegen den Rat der Einheimischen in den Tod.“ Das Wildwasser entpuppt sich als ein Minenfeld aus potenziell tödlichen Felsen. Beim Durchfahren der Stromschnellen müssen die wagemutigen Abenteurer ständig in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen. Ihre größte Sorge besteht darin, mit einer Verblockung zu kollidieren, die entsteht, wenn riesige Felsbrocken herab stürzen und dem Fluss den Weg versperren.

Der Apurímac ist einer der reißendsten Flüsse der Welt. Er fällt auf einer Strecke von nur 600 Kilometern von 5.400 Meter Höhe auf 1.500 Meter ab.

Wer selber einen Teil des Amazonas mit einem Paddelboot befahren oder an einer Rafting-Tour teilnehmen will, kommt um dieses Buch nicht herum. Jedem, der sich für den Fluss Amazonas interessiert, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Von der Geburtsstätte des Amazonas, dem Geflecht aus Bächen und Rinnsalen hoch oben in den peruanischen Anden bis hinab in den Dschungel und ins brasilianische Mündungsdelta haben die drei Abenteurer den Fluss erfahren, und dem Autor gelingt es, den Leser in den Bann dieses gewaltigen Stromes zu ziehen.

Tödliche Exkursionen:



Der Apurímac, Quellfluss des Amazonas, ließ viele Abenteurer scheitern

Er wird von den Indianern Apu Rímac, der sprechende, brüllende Gott genannt. Das Wildwasser erzeugt in den tiefen Schluchten einen Furcht erregenden Lärm. In der Regenzeit, wenn der Fluss mit noch mehr Getöse die Berge hinunter stürzt, wird er besonders gefährlich. Wer dann hineinfällt, wird in wenigen Sekunden zermalmt.

Abenteurer versuchten immer wieder diesen wild in seiner Schlucht hinab stürzenden Fluss zu befahren. Bereits in den 50er Jahren versuchte ein französisches Ehepaar im Kajak den Apurímac hinunter zu kommen. Doch die Frau ertrank in der reißenden Strömung. Im Jahr 1976 versuchten deutsche Abenteurer den Fluss zu bezwingen. Sie gaben auf, nachdem der Expeditionsleiter im Fluss ums Leben gekommen war. Zehn Jahre später gab eine weitere Expedition frühzeitig auf, weil einem Teilnehmer von der Wasserkraft ein Bein zertrümmert wurde und er fast ums Leben kam. Und wieder etwa 10 Jahre später, 1997, versuchte ein sechsköpfiges Team aus der Schweiz die Wildwassertour mit einem Raft. Ihr Vorhaben endete in einer Tragödie: Zwei Teilnehmer ertranken.

Von den bislang sechs Versuchen, den Apurímac, den Quellfluss des Amazonas zu befahren, waren nur zwei erfolgreich, schreibt Colin Angus. Darunter der legendäre Südafrikaner Mike Horn, der die Tour 1997 allein geschafft hatte.

Der Amazonas

Länge:
6.400 Kilometer, je nach Quellfluss

Nebenflüsse:
100.000 davon 1.100 größere und 17 große Flüsse - mindesten 1.600 Kilometer lang

Klima:
meiste Teil tropisch, ganzes Jahr 25 bis 29 Grad am Tag

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Die Ausrüstung:


Das Schlauchboot verkörperte den neuesten Stand der Technik. Es verfügte über sechs unabhängig voneinander aufblasbare Luftkammern, die doppelwandig waren wie ein Fahrradreigen mit Schlauch. Die Außenhaut bestand aus extrem unempfindlichem und haltbarem hypalonbeschichteten Gewebe. Über stabile Reißverschlüsse gelangte man an die im Innern befindlichen Luftkissen aus gummiartigem Plastik.

Wenn eine dieser Kammern beschädigt war, würden die übrigen das Boot über Wasser halten. Es handelte sich um en selbst lenzendes Boot, was bedeutete, dass eingedrungenes Wasser innerhalb von vier Sekunden wieder abfloss. Der Boden war eine unabhängige Einheit, die einer aufgeblasenen Luftmatratze glich. Wenn das Boot voll lief, hob sich der Luft gefüllte Boden an, und das Wasser konnte durch das darunter liegende Gewebe abfließen.

Die Paddel bestanden aus einer Kombination aus Kunststoff und Aluminium. Sie waren strapazierfähig und wurden von kommerziellen Rafting-Veranstaltern verwendet. Das „Bootsführer-Paddel“, mit dem das Boot vom Heck aus gesteuert wurde, war etwas länger als die anderen.

Weitere Ausrüstungsgegenstände: zwei Trockentaschen, zwei Ersatzpaddel, eine Pumpe, ein Aluminium-Tragegestell (zum Transport des Boots nach Ablassen der Luft) und Isomatten.

Jeder der Männer trug die „Basis-Uniform“: Helm, Rettungsweste, Neoprenfüßlinge und einen Schutz gegen das kalte Wasser. Zum Teil als Spritzwasserschutz ein Oberteil und Hosen aus wasserdichtem Nylon mit Neoprenmanschetten an den Handgelenken, am Hals, an der Taille und an den Knöcheln. (Quelle: Colin Angus: Amazoans extrem)

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