Amazonas-Tiere
Nacht im Regenwald
Im Regenwald werden viele Tiere nachts mobil. Sie haben spezielle Sinnesorgane.
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| © Bernd Kulow |
Wenn nachts schwarze Regenwolken über dem Dschungel aufziehen, wird es finster. Absolut nichts ist mehr zu sehen, völlig schwarz wird es vor Augen. Die absolute Dunkelheit weckt seltsame Ängste beim Menschen. Für die meisten Tiere allerdings stellt sich Tag und Nacht ganz anders dar. Sie warten den Tag über auf die Nacht. In der Dunkelheit werden sie aktiv.
Fledermäuse fliegen umher, auf der Suche nach Früchten in den Baumkronen. Sie brauchen kein Augenlicht. Mit Ultraschall können sie sich in finsterster Nacht orientieren. Nachts wird auch der Jaguar aktiv und begibt sich auf Beutesuche. Schlangen und Ottern werden wach, liegen auf der Lauer.
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| © Bernd Kulow |
Bei meinem Aufenthalt im Amazonas-Regenwald im Norden Perus, verbrachten wir Nächte in einem provisorisch errichteten Camp mitten im Wald. Die erste Nacht in totaler Finsternis, in der ich meine eigene Hand vor den Augen auch nicht in Umrissen erkennen konnte. Eine Dunkelheit wie ich sie noch nicht erlebt hatte. In der Hängematte liegend, von aggressiven Moskitos umgeben, bekam jedes Geräusch eine übermäßige Bedeutung.
Wassertropfen auf dem Weg durch das Laubwerk der hohen Regenwald-Bäume schienen mir Geräusche von Tieren zu sein. Man konnte meinen, die Echosignale der Fledermäuse zu vernehmen. Die hoch frequenten Töne allerdings liegen außerhalb des menschlichen Hörvermögens.
Die berühmteste Fledermaus des Amazonas allerdings, die Vampirfledermaus, verlässt sich seltener auf die Echoortung. Sie ernährt sich in erster Linie vom Blut der Säugetiere. Diese Beute kann sie mit ihren Augen und dem Geruchssinn aufspüren. Das geschlossene Moskitonetz schützt nicht nur vor den stechenden Insekten. Auch die blutsaugenden Vampirfledermäuse werden abgehalten.
Schlangen sind am Tage meist träge und schläfrig. Deshalb sieht man sie im Dschungel nur selten. Sie ernähren sich von Tieren, die in der Nacht aktiv sind. Dies gelingt ihnen, weil sie mit wärmeempfindlichen Sinnesorganen ausgestattet sind. Mit den Wärmesensoren können sie ihre Beute ausmachen. Die Wärmesensoren befinden sich in Einbuchtungen im Oberkiefer. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Schlange ein infrarotes Bild empfängt, mit dem das optische Bild überlagert wird. Wenn die Schlange zum tödlichen Biss ansetzt und das Maul öffnet, befindet sich das Beutetier allerdings außerhalb der Reichweite der Wärmesensoren. Neuere Forschungen haben ergeben, dass die Schlange zusätzliche Sensoren im Maul hat.
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| © Bernd Kulow |
Die Forschungen haben sich lange Zeit auf Sehen und Hören der Tiere konzentriert. Doch viele Tiere haben völlig anders ausgeprägte Sinnesorgane als der Mensch, vor allem wenn sie in der Nacht aktiv sind. Sie nehmen ihre Welt ganz anders wahr. Erst nach und nach haben Biologen die unterschiedlichen Sinne im Tierreich erforscht.
Nacht aktive Tiere sind meist besonders an die Dunkelheit angepasst. Sie verfügen über einen ausgesprochen feinen Geruchssinn oder ihre akustischen Sinne sind speziell ausgeprägt. In der Regel sind die Augen an das Dunkel angepasst und weisen eine höhere Lichtempfindlichkeit auf. Die Augen und Pupillen der Nacht aktiven Tiere sind meist größer. Hinter der Netzhaut liegt oft noch eine reflektierende Schicht, Tapetum genannt. Hierdurch wird das Licht erneut durch die Netzhaut reflektiert und damit die Wirksamkeit erhöht. Die Netzhaut der Nachttiere ist von vielen Stäbchen besetzt, die besonders empfindlich für schwaches Licht sind.
Nachts im Regenwald ist man umgeben von den Geheimnissen des tief schwarzen Waldes. Der in Dunkelheit gehüllte, sagenumwobene Urwald mit seinen ungeheuren Ausmaßen erscheint als feindlich und gefährlich. Der Dschungel wird zum Unbekannten an sich.
Der international führende Evolutionsforscher Edward O. Wilson beginnt sein Buch über den Wert der Vielfalt mit der eindrucksvollen Beschreibung einer Nacht im Amazonas-Regenwald: „Tief im Herzen hoffen wir, dass wir niemals alles entdecken werden. Wir beten, es möge immer eine Welt geben wie jene, an deren Rand ich in der Finsternis saß. Der Regenwald in seinem Reichtum ist eines der letzten irdischen Refugien dieses zeitlosen Traumes“.
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