Große Teile des Amazonas-Gebiets trockneten in 2005 völlig aus. Ganze Regionen wurden zum Katastrophengebiet erklärt. Jetzt fürchten Experten, eine weitere Dürre könnte den Regenwald nachhaltig schädigen.
Die Dürre im Regenwald machte weltweit 2005 Schlagzeilen. Menschen, Tiere und Pflanzen, ja das ganze Ökosystem des Amazonas sind weiterhin wegen der Dürre gefährdet.
Jedes Jahr nach der Regenzeit fällt der Wasserstand des Amazonas um 10 Meter. Wo in der Regenzeit ganze Waldgebiete im Wasser stehen, taucht mit Beginn der Trockenzeit der Boden wieder auf. Doch in 2005 sank der Wasserpegel weiter und weiter ab. Die riesige Wasserlandschaft des Amazonasbeckens bestand zu großen Teilen nur noch aus ausgedörrten, stinkend-fauligen Flussbetten.
Besonders hart traf der Tiefstand des Amazonas und seiner Nebenflüsse die Fischwelt. In riesigen Massen lagen stinkende Fischkadaver im stark abgesunkenen Flusswasser. Auch andere Flusstiere waren in Gefahr: Delphine, Seekühe oder Wasserschweine. Zudem waren die Flüsse teilweise nicht mehr befahrbar. Schiffe liefen auf Grund. Mit Hubschraubereinsätzen mussten Tausende von Ortschaften versorgt werden.
Vor allem das Fischsterben traf die Menschen. Denn für den Großteil der lokalen Bevölkerung (die caboclos) und für viele Indianer-Gemeinschaften sind die Fische die entscheidende Nahrungsgrundlage. Mehrere zehntausend Indianer in Brasiliens Amazonasregion waren durch das Fischsterben akut gefährdet, warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen. Das Trinkwasser von rund 170.000 Menschen in 1.200 Siedlungen entlang den Amazonas-Zuflüssen war verseucht. Grund: Millionen verendeter Fische verwesten in den ausgetrockneten Flussbetten.
Die Behörden befürchteten den Ausbruch von Epidemien, denn wer das Wasser trank, dem drohten Durchfallerkrankungen und Cholera. Außerdem fehlten Lebensmittel. Mindestens 8.000 Indianer an den Zuflüssen des Amazonas sind unmittelbar vom Fischfang abhängig.
Im brasilianischen Bundesstaat Amazonien wurde wegen der Dürre Mitte Oktober 2005 der Ausnahmezustand erklärt. Die Armee versuchte mit Hubschraubern die Dörfer entlang der ausgetrockneten Flüsse mit Trinkwasser und Lebensmitteln zu versorgen. Im Amazonas-Gebiet haben die Flüsse die Funktion von Straßen. Allein die Flüsse sind für hunderte von Städten und Dörfern die einzige Verbindung zur Außenwelt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker zweifelte daran, dass tatsächlich allen abgelegenen indianischen Siedlungen rechtzeitig Hilfe gebracht wurde.
Laut Greenpeace war das von der Dürre heimgesuchte Gebiet enorm groß. Es reicht von Iquitos im Norden Perus über den gesamten brasilianischen Bundesstaat Amazonas und schließt die Städte am Solimoes und an den südlichen Nebenflüssen des Amazonas mit ein, vor allem am Juruá, am Purus und am Madeira.
Die Dürrekatastrophe ist auf die fortschreitende Rodung des Regenwaldes und auf den Klimawandel zurückzuführen, erklärt die GfbV. Brasilien zähle zu den vier Staaten, die am meisten Treibhausgase freisetzen. Treibhausgase, die von Wissenschaftlern für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden.
Gigantische Waldbrände und Rodungen in Amazonien machten 75 % der Treibhausgas-Emissionen Brasiliens aus. Amerikanische und brasilianische Wissenschaftler warnten in einer kürzlich veröffentlichten Studie: Der Amazonas Regenwald sei durchlöchert wie ein „Schweizer Käse“. Die bereits zerstörte oder geschädigte Regenwaldfläche sei doppelt so groß wie bislang angenommen. Mit der Zerstörung des Amazonas-Urwaldes wird auch die Lebensgrundlage der Indianer vernichtet. Auch Greenpeace sieht im Zusammenspiel von Urwaldrodung und Klimawandel den Grund für die katastrophale Dürre im Amazonas-Becken.