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Ökosystem Regenwald

Wald ohne Humus

Partnerschaft zwischen Bäumen und Pilzen ermöglicht den Regenwald

© Bernd Kulow

Die Bäume des Regenwalds holen ihre Nährstoffe nicht aus dem Boden. Dort würden sie nicht viele finden, denn der Boden ist karg und arm an Nährstoffen. Die Dschungelbäume haben eine spezifische Art entwickelt sich zu ernähren.

Was lange Zeit unbekannt war und viele bis heute nicht wahrhaben wollen, der üppige Amazonas-Dschungel mit all seiner ausladenden, grünen Vegetation wächst auf kargem Untergrund. Die üppigste Vegetation der Erde kommt mit einer extrem dünnen Humusschicht aus. Trotz der ständig abfallenden Blätter, Äste, der absterbenden Pflanzen und der Exkremente der Tiere bildet sich keine dicke Humusschicht. Deshalb können die tropischen Regenwaldböden mineralische Nährstoffe kaum konservieren.

In dem stets warmen, feuchten Klima wird alles organische Material auf der Stelle zerlegt und zersetzt. Insekten, Würmer, Milben, Pilze und Bakterien, ganze Geschwader dieser Kleinsttiere stürzen sich auf jedes Blatt, jeden Stängel, fressen Aas und zerlegen jeden abgestorbenen Baum in kurzer Zeit. Für die Bildung eines nahrhaften Humus bleibt nichts zurück.

Unter einer dünnen Schicht aus abgestorbenen Pflanzenteilen findet man unfruchtbaren Sand oder Lehm. Die Humusschicht ist in den meisten Regenwaldgebieten so dünn, dass man sie mit dem Fuß beiseite scharren kann. „Der Regenwald lebt von der Hand in den Mund“, nennt es die Biologin Andrea Mertiny in ihrem Buch „Der Regenwald“.

Tote Blätter auf dem Boden

Ganz anders in Wäldern der gemäßigten Zonen. Vor allem durch das völlig andere Klima findet hier eine Humusbildung statt. Jeden Herbst sammeln sich hier nährstoffreiche tote Blätter auf dem Boden. Wegen der einsetzenden Kälte im Winter können sie jedoch nicht vollkommen mineralisiert werden, so dass ein nur teilweise abgebautes, dunkles Material entsteht: der Humus. Er bildet die fruchtbarste Schicht eines Bodens. Denn er ist ein guter Speicher für lösliche, mineralische Nährstoffe. Humus besteht aus unzähligen, winzigen, organischen Teilchen, an denen sich Phosphat, Nitrat oder Sulfat festhalten können und so nicht vom Regenwasser ausgewaschen werden.

Im Boden sammeln sich zudem durch die Verwitterung des Gesteins Tonmineralien, die in der Lage sind, Kalium, Calcium oder Magnesium als Nährstoffe für die Pflanzen zu binden. In den gemäßigten Zonen existiert damit ein Boden, in dem Nährstoffe angereichert sind, vor allem in der dicken Humusschicht.

Partnerschaft mit Pilzen

Die Humusschicht in den Regenwäldern Amazoniens ist dagegen äußerst dürftig.

Wie aber ernähren sich die massiven Urwaldbäume, die eine Höhe von 40, 50, 60 oder gar mehr Metern erreichen auf dem nährstoffarmen Boden?

Zunächst bilden sie ganz andere Wurzeln als Bäume in gemäßigten Zonen, deren Wurzeln tief in die Erde reichen. Die Wurzeln der Regenwaldbäume dagegen bleiben nahe an der Oberfläche. Mit diesen Oberflächenwurzeln knüpfen sie ein dichtes Netz, in weitem Kreis um ihren Stamm. Aber ihre Wurzeln sind zu dick, um schnell die begehrten Nährstoffe zu ergattern.

Die Lösung haben sie in einer intensiven Partnerschaft mit Pilzen gefunden: Das weitflächige System der Baumwurzeln wird von einem feinen Pilzgeflecht überzogen. Die meist unterirdisch wachsenden Pilzgeflechte sind in der Lage, sehr rasch mineralische Nährstoffe aufzunehmen und sie sind bereit, diese an die Wurzeln der Bäume abzugeben. Die Pilze liefern dem Baum Mineralsalze und Wasser, der Baum versorgt die Pilze mit Zucker und Aminosäuren - wie in einem Tauschhandel. So kommt beiden, den Pilzen wie den Bäumen, ihre Kooperation zu gute. Diese Art einer Symbiose nennt man Mykorrhiza.

Unterm Dschungel wartet die Wüste

Diese Mykorrhiza arbeitet sehr effektiv. Alle Nährstoffe des Waldbodens können direkt aufgenommen werden. Ohne diese Partnerschaft zwischen Tropenbäumen und Pilzen könnten die meisten der Regenwaldbäume nicht überleben. „Eine solche nahezu verlustfreie Rückführung ist jedoch nur im ungestörten Regenwald mit seiner intakten Kooperation zwischen Mykorrhiza-Pilzen und Wurzelnetz möglich“, betont János Regös in seinem Buch „Die grüne Hölle – ein bedrohtes Paradies“. Regenwaldbäume wachsen deshalb - bis auf wenige Ausnahmen - nicht in Baumplantagen. Sie können außerhalb des Regenwalds nirgends existieren. Wird der Regenwald zerstört, werden damit auch die riesigen Tropenbäume für immer vernichtet.

Alexander von Humboldt, der erste deutsche Forschungsreisende, der den Amazonas-Regenwald durchquerte, ging noch vom tropischen Regenwald als einer unbeschreiblich fruchtbaren Gegend aus. Heute weiß man, dass dies ein Irrtum war, der sich lange gehalten hat. Man kommt der Realität näher, wenn man die Regenwälder als „mit Wald bedeckte Wüsten“ bezeichnet, deren Vegetation nicht im, sondern auf dem Boden wurzelt und lebt.

In den meisten Regenwäldern des Amazonasbeckens ist deshalb nach einer Rodung des Waldes keine länger anhaltende Landwirtschaft möglich. Die dünne Humusschicht ist nach zwei bis drei Jahren erschöpft und oft sogar ausgewaschen oder weggeweht. Nach großflächiger Rodung bleibt häufig nur Wüste zurück.

Quellen:

János Regös: „Die grüne Hölle – ein bedrohtes Paradies“, Hamburg 1987

Andrea Mertiny: „Der Regenwald“, Nürnberg 1991

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Im Regenwald wird alles abgestorbene Material auf der Stelle zersetzt und zerlegt.
© Bernd Kulow
Wie ernähren sich die massiven Urwaldbäume auf dem nährstoffarmen Boden? Wie können sie wachsen, ohne ihre Nahrung aus der Erde zu bekommen?
© Bernd Kulow
Die Wurzeln der Regenwaldbäume bleiben an der Oberfläche. Mit diesen bilden sie ein dichtes Netz
© Bernd Kulow
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