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Isabel Allende
Die Stadt der wilden Götter
Isabel Allende, die bekannteste Schriftstellerin Südamerikas, hat ihr erstes Jugendbuch geschrieben. Wird "Die Stadt der wilden Götter" zum neuen Kultbuch?
Diese Frage scheint zurzeit die Literaturszene zu beschäftigen. Jeder versucht als erster, den nächsten Harry Potter zu entdecken. So fragt CNN-Online, ob mit Cornelia Funkes eben erschienenem Jugendbuch "Herr der Diebe" der neue Harry Potter aus Deutschland kommen wird.
Allendes Jugendroman weist Merkmale auf, die es zum Bestseller machen könnten. Der Handlungsort jedenfalls spräche dafür: Der Amazonas mit seinen indianischen Ureinwohnern bietet den idealen Hintergrund - umwoben seit Jahrhunderten von Mythen und Legenden, Inbegriff für Urwald und Dschungel. Noch heute leben dort die letzten, von der Zivilisation fast unberührten Menschen, voller Geheimnisse und Rätsel. Gewiss gibt es dort noch unentdeckte Tierarten und vermutet wird, dass Indio-Völker im tiefen Dschungel existieren, die noch keinen Kontakt zur Zivilisation hatten.
Natur und Magie
Isabel Allende gehört zu den lateinamerikanischen Schriftstellern, deren Schreiben das Magische mit einbezieht. So führt auch "Die Stadt der wilden Götter" den Leser in eine Welt der Magie.
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Bei der Überschreitung der realistischen Weltsicht wird der Leser in die magische Welt eines urtümlichen Indianervolks einbezogen. Reine Phantasiegebilde? Wenn es denn Verborgenes, Unentdecktes im Amazonas-Urwald gibt, wer will beurteilen, wie es sich darstellt? So folgt der Leser wie hypnotisiert von den Düften, Farben und Geräuschen des Dschungels dem 15-jährigen Alex auf dem Urstrom in eine Welt der Götter und Zauberer, der Urgeschöpfe und funkelnden Höhlen, wird überrascht von unsichtbaren Indios und angesichts verborgener Welten in Staunen versetzt.
Die intakte Welt des 15-jährigen Alex war zerbrochen, als seine Mutter schwer erkrankte. Der bislang behütet aufgewachsene kalifornische Junge muss nun allein zu seiner abweisend-kühlen Großmutter, die sich aber als interessante Reiseschriftstellerin entpuppt und ihn auf eine Expedition in den abgelegenen Dschungel Amazoniens mitnimmt.
Reise ins Innere
Ziel der Expedition ist herauszufinden, wie weit ein Gerücht zutrifft, nach dem ein riesiges, menschenähnliches Biest im Urwald existiert, das Menschen und Tiere grausam tötet. Mit dabei ist ein verstörter, aber angeblich weltberühmter Ethnologe, der von der Grausamkeit aller Indios überzeugt ist. Auf der Abenteuerfahrt trifft Alex auf Nadia, die im Dschungel aufgewachsen ist und mit ihren 12 Jahren Einsichten vorzuweisen hat, die sie nur im Kontakt mit den Indios erwerben konnte. Doch bald entdecken Alex und Nadia einen diabolischen Plan, der die dort lebenden Indios vernichten soll. Alex und Nadia müssen lebensgefährliche Prüfungen durchstehen, um die "Nebelmenschen" zu retten.
"Es geht um eine Reise in das Innere, um die Reise eines Jungen und eines Mädchens, die unter dem Druck der Umstände ihre Kindheit hinter sich lassen", sagte die chilenische Schriftstellerin in einem Interview der Süddeutschen Zeitung im Juni dieses Jahres. Erwachsene werden darin vielleicht etwas aus ihrer längst vergessenen Jugend wieder finden: die Fähigkeit, sich überraschen zu lassen, Neugier auf die Welt, Toleranz, so die Autorin. Kinder werden ein Buch über Magie und Natur lesen.
Auf jeden Fall ein spannendes Buch mit Einsichten in die exotische Welt des Amazonas. Im Roman sind gut und böse klar von einander geschieden, was an manchen Stellen zur Idealisierung der Welt der Indios führt. Andererseits, wer weiß wirklich, wie einzelne Indio-Völker, die noch im tiefsten Dschungel wie vor Jahrtausenden leben, die Welt wahrnehmen? Dennoch vermisst man ab und an tiefere Einsichten. Wer das Buch als Erwachsener liest, wird viel über die Umwelt und Natur Amazoniens erfahren und Einblicke in die gesellschaftlichen und politischen Realitäten dieser Region Brasiliens bekommen.
Isabel Allende hat angeblich bereits eine Fortsetzung geschrieben, ein dritter Teil ist bereits geplant. Offenbar ist eine Amazonas-Trilogie im Entstehen.
Das Buch ist im August 2002 gleichzeitig im Carl Hanser Verlag und bei Suhrkamp erschienen.
Zur Website von Isabel Allende.
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