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Schamanen
Andere Welten besuchen
Die moderne Medizin kann vielen Menschen nicht helfen. Alternative Heilmethoden verbreiten sich immer stärker. Deshalb verwundert es nicht, dass sich die Einstellung zu den Schamanen in den letzten Jahren verändert hat. Wurden sie in den 60er Jahren noch als Phantasie-Produkte der Ethnologen abgetan, so werden ihre Heilkräfte heute gesucht. Schamanen sind in Mode gekommen.
Auf einem Kongress in Hamburg stürzten sich heilbedürftige Deutsche auf die anwesenden Schamanen. Sie wollten ihre Krankheiten loswerden, erhofften ein neues Leben von den Schamanen und das alles schnell und sofort. Doch wenn Schamanen aus ihrer Welt hier bei uns etwas von ihrem Wissen und Können vermitteln, darf man nicht zuviel erwarten. Sie entstammen einer völlig anderen Welt, kommen aus uns fremden Kulturen. Ihre Methoden lassen sich meist nicht mit den wissenschaftlichen Kategorien fassen und nicht mit wissenschaftlichen Geräten messen. Ob ihre Kräfte auch in unserer Gesellschaft wirken, muss sich im Einzelfall zeigen.
Schamanen gibt es in den unterschiedlichsten Kulturen aller Kontinente. Sie treten als Mittler zwischen dem Diesseits und den Geistern im Jenseits auf. Mit Hilfe von Drogen, mit Rhythmik, Musik oder Tanz versetzt sich ein Schamane in Trance. Dabei verlässt der Geist des Schamanen seinen Körper und erfährt den Kontakt mit einer außermenschlichen Welt.
Nach Ansicht der Ethnologin Claudia Müller-Ebeling kann Schamane nur der genannt werden, auf den mehrere Kriterien zutreffen. Zum einen die Berufung durch eine unsichtbare Welt wie die Fähigkeit in Trance zu fallen und sie willentlich zu steuern und zum anderen eine jahrelange Lehrzeit bei anderen Schamanen, der öffentliche Beweis der Fähigkeiten wie auch der Schwur, die Kenntnisse zum Wohl der Gemeinschaft auszuüben. Aus diesem Grund sei nicht jeder Heiler auch gleichzeitig ein Schamane.
„Schamanen sind die Krisenhelfer par excellence für unerwartet eintretende Störungen“, schreibt Dietmar Neitzke in seinem Aufsatz zur Bedeutung von Schamanismus und Übergangsritualen bei Amazonas-Indianern. Neben der Krankenheilung gehören zu ihren Aufgaben auch das Geleiten der Totenseelen ins Jenseits, die Abwehr von Unglück und die Vermittlung mit den spirituellen Mächten.
In der Regel ist es nicht der eigene Wunsch, der jemanden zum Schamanen werden lässt. Häufig wird der Schamane durch Träume oder Visionen bestimmt. Eine Krankheit, Vision oder ein Unfall, verbunden mit einer tiefen persönlichen Krise bilden oft die Erfahrungen, durch die ein Prozess in Gang gesetzt wird, an deren Ende der Berufene seine Kräfte als Schamane in den Dienst der Gemeinschaft stellt. Viele wehren sich zunächst gegen die ihnen aufgebürdete Verantwortung und die damit verbundenen Schmerzen und Gefahren. Auf das Berufungserlebnis folgt eine langjährige Ausbildung bei einem erfahrenen Schamanen.
Die Trance, in die sich der Schamane versetzt, kann sehr tief sein mit völliger Bewusstlosigkeit. Die Ekstase wird meist interpretiert als Seelenflug, bei dem eine der Seelen den Körper verlässt. Der Schamane wird zum Geist, wie eine besessene Person, behält jedoch die völlige Kontrolle. So kann ein Schamane zu einem Fisch, Vogel oder einem anderen Tier werden. Dabei benutzen Schamanen Verkleidungen oder Tierkostüme.
Im Amazonas-Gebiet wird die Trance sehr häufig durch psychoaktive Drogen hervorgerufen. Mit ihrer Hilfe erhebt der Schamane sich zum Seelenflug und verwandelt sich dabei in einen Jaguar. Als solcher spricht, streitet und kämpft er mit den Geistern der Ober- und Unterwelten, bittet um Schutz vor Aggressionen, um Fruchtbarkeit und Jagdglück. „Er bewegt Geister dazu, die geraubten Seelen frei zu lassen. Er überbringt Botschaften und kann nach seiner Rückkehr das erworbene Wissen einsetzen, um Heilungen und Reinigungsrituale durchzuführen“, schreibt Dietmar Neitzke.
Schamanen haben das Potenzial, sich in andere Wesen zu verwandeln und andere Welten zu besuchen.
Quelle:
- Piers Vitebsky: Schamanismus, Köln 2001
- Dietmar Neitzke: Kosmos, Krise, Konsens - Zur Bedeutung von Schamanismus und Übergangsritualen bei Amazonas-Indianern
- Ethnomed News: www.institut-ethnomed.de

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