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Ohne Kontakt zur Welt
Die letzten "freien" Indianergruppen
Heute gibt es immer noch Indianergruppen im Amazonas, die keinen direkten Kontakt zur Außenwelt haben. Nach Schätzungen leben noch etwa 50 indigene Völker in Brasilien und 10 in Peru weitestgehend in Isolation. In der Regel bestehen diese „Völker“ nur aus wenigen hundert Menschen.
Es sind die letzten „freien Völker“, die sich seit 500 Jahren erfolgreich ihrer Kolonisierung entziehen, sagt Klaus Rummenhöller, Leiter eines Forschungsinstitutes in Bolivien. Doch wie lange diese letzten Indianer noch in der Isolation bleiben werden, ist ungewiss. Die „Zivilisation“ rückt immer weiter in den Amazonas vor: Straßen werden gebaut, Menschen siedeln entlang der neuen Transportwege, Holzfäller roden große Fläche des Urwaldes, Goldsucher dringen in entlegendste Territorien ein. Die Rückzugsgebiete für die Indianer schrumpfen unaufhörlich.
Bis heute bringt ein Kontakt mit der zivilisierten Welt für die Indianer meist Krankheiten mit sich. Isolierte Völker besitzen keine Antikörper gegen Krankheiten wie Keuchhusten, Windpocken, Masern, Tbc oder Grippe. „Bereits ein gut gemeinter Händedruck, ein Niesen oder Husten, sogar das Verschenken gebrauchter Kleidungsstücke kann ausreichen, um ein Massensterben zu verursachen“, heißt es im Ausstellungskatalog „Amazonas Indianer“ des Lindenmuseums in Stuttgart. Wenn es zum Ausbruch einer dieser ansteckenden Krankheiten kommt, stirbt oft die Hälfte einer Indianergruppe daran.
Seit Beginn der 90er Jahre haben sich die Einstellungen der staatlichen Organisation FUNAI in Brasilien wie auch indianischer Organisationen in Brasilien und Peru geändert. Bis dahin wollte man alle Indianer schnellstmöglich „zivilisieren“. Heute geht man davon aus, dass es sich um eine freiwillige Isolierung handelt. Dies will man respektieren. Das Eindringen von Holzfällern, Erdölfirmen, Missionaren oder Abenteurern in die Gebiete der isoliert lebenden Indianer soll nun verhindert werden. Offen bleibt die Frage, wie man die völlig abgelegenen, riesigen Gebiete gegen ein Eindringen von außen schützen will.
Klaus Rummenhöller fragt in seinem Beitrag im Ausstellungskatalog: Was versäumen die Indianer in ihrer Isolation? Konserven, Alkohol, Coca Cola, Telefon, Schulerziehung etc. Doch in der Realität werden die meisten dieser mehr oder weniger erstrebenswerten Produkte der Zivilisation den Indianer sowieso vorenthalten, ob sie nun Kontakt zur Außenwelt haben oder nicht. Die aktuellen Lebensbedingungen der meisten in den letzten Jahrzehnten mit der Zivilisation in Kontakt gekommenen Indianer sind deprimierend. Eine Verbesserung ihre Lebensqualität ist allenfalls in Ansätzen sichtbar. Es besteht kein Grund, sie überstürzt in die Zivilisation zu zerren. Wichtig ist, ihre Rückzugsgebiete gegen Eindringlinge, die meist von ihren eigenen ökonomischen Interessen getrieben werden, zu schützen. Nur nach ihren eigenen Wünschen sollten Indianer in die Gesellschaften der Länder integriert werden, ohne Aufgabe ihrer eigenen kulturellen Identität.
Quelle:
- Klaus Rummenhöller: Isolierte Indianer, in: Doris Kurella und Dietmar Neitzke (Hrsg.) Amazonas Indianer, Lindenmuseum Stuttgart 2002
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