Der Österreicher Erwin Kräutler setzt sich als Bischof seit über 25 Jahren im Amazonas für die Indianer und die Armen ein. Wegen seines mutigen Einsatzes ist sein Leben bedroht, steht er unter Polizeischutz.
DW-TV begleitete den Bischof zu einem Treffen mit den Indianern gegen den Staudamm Bella Monte in Altamira in Amazonien. Ein Staudammingenieur wird von den Indianern tätlich angegriffen.
Dom Erwin - so wird der Bischof in Amazonien genannt - kann nur alle paar Jahre die weit auseinander liegenden Gemeinden seines Bistums besuchen, bis zu 3 Flugstunden ist er unterwegs. In der Regenzeit sind die Straßen verschlammt.
Amazonien ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung für den Befreiungstheologen. Dom Erwin kämpft gegen die Zerstörung des Regenwaldes, für landlose Bauern, für Kinder, die zur Prostitution gezwungen werden und für die aus ihren Jagd- und Fischgründen vertriebenen Indios.
Mitarbeiterin ermordet
Aber es gibt einflussreiche gesellschaftliche Kräfte in Brasilien, denen dieses Engagement sehr missfällt. Sie haben auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt. Seine Mitarbeiterin, die Schwester Dorothy Stang, eine amerikanische Ordensfrau, wurde am12. Februars 2005 von zwei Männern erschossen. Ihr Name hatte auf Todeslisten gestanden. An dem Mordtag kam die Schwester von einer Versammlung mit Bauern. "Eine Stimme des Regenwaldes, eine Friedensstifterin wurde ausgelöscht", schreibt Erwin Kräutler in seinem Buch "Lebenswelten un Problemfelder in Amazonien heute".
Bischof unter Polizeischutz
Glaubenssachen - die Kirchensendung der Deutschen Welle - begleitete Dom Erwin bei einem Pastoralbesuch in seiner Diözese zu entwurzelten Kleinbauern an der Transamazonica und zu einem großen, von CIMI organisierten Indio-Meeting gegen den Staudamm Bello Monte in Altamira. Am Rio Xingu will die Regierung ein Wasserkraftwerk errichten, das viertgrößte der Welt. Die Indios fürchten um ihre in der brasilianischen Verfassung garantierten Jagd- und Fischgründe.
Mit einem Team von CIMI sehen wir die sozialen Auswirkungen der Indio-Umsiedlungen: Es gibt bereits Indianer die durch ein anderes Staudamm-Projekt vertrieben wurden, jetzt droht ihnen Gefahr, von Soja und Zuckerrohr verdrängt zu werden, Rohstoffe für den Biosprit-Boom und dazu Brasiliens wichtigste Exportprodukte. Der Bischof kämpft weiter für die Rechte der Indianer. Wegen der Morddrohungen steht er unter Polizeischutz, 24 Stunden am Tag.
Quelle:
Erwin Kräutler, Lebenswelten und Problemfelder in Amazonien heute