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Indianer heute:

in neuer Bedrängnis

Die Ureinwohner des Amazonas müssen weiterhin um ihre Existenz fürchten. Heute leben noch 325.000 von ursprünglich fünf Millionen Indianern in Brasilien. Werden sie die neuen Bedrohungen überleben?

Die Kultur aller Indianervölker im Amazonas ist untrennbar mit der Natur verbunden. Wird die Umwelt weiter zerstört, werden gleichzeitig die Voraussetzungen für ihre Existenzgrundlage vernichtet.

Heute gibt es noch 215 unterschiedliche Indianer-Völker in Brasilien. Durch die Ausrottung der Indianer in den letzten Jahrhunderten gehören zu den verbliebenen Völkern nicht mehr viele Menschen. Ganze 325.000 Indianer leben heute noch in Brasilien. Sie stellen 0,16 Prozent der 167 Millionen brasilianischen Staatsbürger.

Körperbemalung bei den Indianern
© palma tocantin

Doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Indianer-Völkern sind groß, die Sprachen völlig verschieden. Sie können sich untereinander nicht ohne weiteres verständigen, brauchen eigene Übersetzer.

Neben den Differenzen bestehen indes entscheidende kulturelle Übereinstimmungen. Wo die Zivilisation die ursprüngliche Lebensweise der Indianer noch nicht verändert hat, betreiben die Indianer einen Wanderfeldbau. Sie sind wie Nomaden nicht sesshaft, sondern verlassen ihre Felder nach einigen Jahren, um an anderer Stelle Früchte und Maniok anzubauen. Das verlassene Land wird mit der Zeit wieder zu Wald. Ihre Wirtschaftsweise ist der Amazonas-Umwelt angepasst und stellte über Jahrtausende eine gelungene Übereinstimmung von Mensch und Umwelt dar. Einen Großteil ihrer Nahrung erlangen die Indianer durch Jagen, Fischen und Sammeln von Früchten.




Goldsucher bringen Vernichtung

Im Amazonas-Gebiet leben etwa 80 Prozent der Indianer Brasiliens. Zu den bekanntesten Völkern zählen die Yanomami. In den dicht bewaldeten Bergen im Grenzgebiet zu Venezuela leben knapp 10.000 Yanomami. Die meisten leben traditionell: jagen, fischen und sammeln Früchte im Wald.

Die Flüsse in Amazonien sind die Verkehrswege
© palma tocantin

Goldsucher und Siedler brachten Krankheiten ins Indianergebiet, denen die Indianer schutzlos ausgeliefert sind: Grippe, Tuberkulose oder Masern. Auf dem Höhepunkt des Goldbooms vor 10 Jahren waren mindestens 50.000 Goldsucher (Garimpeiros) im Yanomami-Gebiet - illegal. Durch den Widerstand und vielfältige Aktionen wurde die drohende Vernichtung der Yanomami in der Weltöffentlichkeit bekannt.

"Die brasilianische Regierung hat die illegale Invasion von Goldsuchern als eine der schwerwiegendsten Bedrohungen für die Indios erkannt", heißt es in einem offiziellen Papier der brasilianischen Botschaft in Berlin. Diese illegalen Eindringlinge gefährden das ökologische Gleichgewicht in den Reservaten, tragen Krankheiten in die Schutzgebiete und vergiften häufig den Boden und die Flüsse durch Quecksilberrückstände, die bei der Goldgewinnung anfallen. Die Regierung gehe gegen die Bedrohung massiv vor, heißt es weiter in dem Papier.

Schutzzonen schlecht bewacht

Auch große Industrieprojekte und Staudämme haben den Indianern ihre Lebensgrundlagen entzogen. Auf diese Weise wurden die Waimiri-Atroari fast völlig vernichtet. Zuerst wurde eine Straße von Manaus in Richtung Venezuela durch ihr Gebiet gebaut. Dann der Balbina-Staudamm errichtet. Er setzte Ende der 80er Jahre eine Fläche von der Größe des Saarlandes unter Wasser. Das Gebiet der Indianer ging unter. Um 1900 lebten über 6.000 Angehörige der Waimiri-Atroari. Überlebt haben von dem Volk bis heute nur 350.

Indianer
© Marc van Roosmalen

Die Festsetzung der Grenzen von Indianer-Schutzzonen dauert in Brasilien schon seit vielen Jahren und ist immer noch nicht abgeschlossen. Solange aber die indianischen Lebensräume nicht in ihren Grenzen gekennzeichnet sind, bleiben die Indianer stark bedroht. Nach Angaben der brasilianischen Botschaft ist die Fläche der bestehenden Indianerreservate größer als die von Deutschland und Frankreich zusammengenommen. Doch auch damit ist der Schutz der Indianer nicht garantiert, denn die zuständige Bundespolizei kann oder will die Gebiete nicht kontrollieren. In einer großen Zahl der gekennzeichneten Indianer-Territorien halten sich Goldsucher, Holzfäller und Siedler auf.

Neue materielle Werte der Indianer?

Mittlerweile aber sind auch bei einigen Indianern kapitalistische Einstellungen vorherrschend. So wird die Arbeit der Behörden dort erschwert, wo Indianer selbst an der Goldgewinnung oder am Holzabbau in ihren Reservaten beteiligt sind. Die Kayapó Gorotire leben heute in Steinhäusern, besitzen ein eigenes TV-Programm und treiben Handel mit tropischen Edelhölzern. Sie kassieren Geld von einem Bergbauunternehmen, das auf ihrem Gebiet Gold fördert. Und in Pará lebt das Volk der Gaviao angeblich von Zinsen. Sie ließen sich für Überlandleitungen und Eisenbahntrassen durch ihr Territorium Entschädigungen auszahlen.

Doch insgesamt sind die Indios im Amazonas wie auch in anderen Gebieten Brasiliens in ihrer Existenz von der vorrückenden Wirtschaftsexpansion bedroht.

Vor der "Entdeckung" Südamerikas, vor 510 Jahren, lebten etwa 900 verschiedene Indianer-Völker in Brasilien. Archäologische Funde in Nordostbrasilien weisen darauf hin, dass dort bereits vor Zehntausenden von Jahren Ureinwohner siedelten. Entlang des Amazonasstroms gab es Siedlungen mit bis zu 8.000 Bewohnern.


Quellen:

- "Indianer in Brasilien – Vernichtung und Widerstand", Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen.

- "Die brasilianische Indianerpolitik", Online-Artikel der brasilianischen Botschaft in Berlin

- Paul Wolf: "Sie tanzen nur im Sommer", GEO-Special Amazonien, 1994


© BBC
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