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Forschungsreisen
Humboldt - Forscher von Weltrang
Noch heute, 150 Jahre nach seinem Tod, kennt jedes Kind in Venezuela Alexander Humboldt, den Naturforscher aus Deutschland. Fünf Jahre lang reiste er durch den Amazonas-Dschungel, bestieg die höchsten Berge der Anden, entdeckte Pflanzen und Tiere. Er gilt in mehreren lateinamerikanischen Ländern als der zweite Entdecker.
Alexander Humboldt war einer der herausragendsten Naturforscher des 19. Jahrhunderts. Bereits als Jugendlicher hatte er einen Traum: eine Forschungsreise in den tropischen Regenwald, den Amazonas-Dschungel. Und dieser Traum erfüllte sich, als die "Pizarro", ein Postschiff, am 5. Juni 1799 - 10 Jahre nach der französischen Revolution - in La Coruna, in Spanien die Ancker lichtete. Vor der Reise hatte er in Paris Aimé Bonpland, einen jungen Mediziner, dessen Leidenschaft der Botanik galt, kennen gelernt. Zu zweit machten sie die Überfahrt nach Südamerika.
5 Jahre unermüdliche Forschung im Dschungel
Es sollte eine der bedeutendsten Forschungsreisen des 19. Jahrhunderts werden. Die beiden Europäer verstanden sich ausschließlich als Forscher: Ihre Reise diente nur wissenschaftlichen Zwecken. Sie suchten kein Goldland, wollten keine Macht über andere Menschen gewinnen, wie die Konquistadoren.
Viele Jahre hatte sich Humboldt auf diese Reise vorbereitet. Als er die Reise antrat, war er durch eine Erbschaft Millionär geworden, hatte das Angebot, eine sehr einträgliche Stellung im Staatsdienst anzutreten. Doch Humboldt nahm jahrelange Entbehrungen und Strapazen auf sich, um die tropische Natur zu erforschen.
Nach 37 Tagen auf See liegt die malerische Küste von Cumaná im heutigen Venezuela vor ihnen. Humboldt fühlt sich sehr glücklich. Seine Reise durch den Amazonas-Regenwald war Tag für Tag mit wissenschaftlichen Beobachtungen, Messungen und Untersuchungen ausgefüllt. Unermüdlich bestimmten die beiden Forscher Pflanzen und Tiere.
In einem Brief nach Hause nach Berlin schrieb Humboldt 1801: "Vier Monate hindurch schliefen wir in Wäldern, umgeben von Krokodilen, Boas und Tigern (damals bezeichnete man den Jaguar auch als Tiger). In der Guayana, wo man wegen der Mosquiten, die die Luft verfinstern, Kopf und Hände stets verdeckt haben muß, ist es fast unmöglich, am Tageslicht zu schreiben; man kann die Feder nicht ruhig halten, so wüthend schmerzt das Gift der Insekten. In Higuerote gräbt man sich nachts in den Sand, sodaß blos der Kopf hervorragt und der ganze Leib mit 3-4 Zoll Erde bedeckt bleibt. Man hält es für eine Fabel, wenn man es nicht sieht."
Doch ihm selbst ging es dabei blendend: "Meine Gesundheit und Fröhlichkeit hat, trotz des ewigen Wechsels von Nässe, Hitze und Gebirgskälte, seitdem ich Spanien verließ, sichtbar zugenommen. Die Tropenwelt ist mein Element, und ich bin nie so ununterbrochen gesund gewesen als in den letzten zwei Jahren."
Auf den höchsten Berg der Welt
Humboldt erlebt für damalige Kenntnisse einen Urwald voller Exotik, den dampfenden Dschungel, Schmetterlinge von nie gesehener Größe. Der Naturforscher kommt auf der Reise ständig in Kontakt mit den unterschiedlichsten Indianer-Ethnien. Er studiert ihre Sitten und ihre Kultur.
Humboldt erforscht den oberen Orinoko in Venezuela und dringt bis zum Rio Negro vor, ein Nebenfluss des Amazonas, aber dennoch ein riesiger Strom.
Die zweite Flussfahrt führt die beiden Forscher den Rio Magdalena hinauf. Sie steigen ins Hochgebirge der Anden bis in eisige Höhen auf den Chimborazo, der zu jender Zeit als der höchste Berg der Welt gilt.
Großer Humanist
Humboldt ist heute in Deutschland vor allem als universeller Naturforscher anerkannt. In Lateinamerika, wo Plätze, Berge, Meeresströmungen, ja ganze Städte nach ihm benannt sind, gilt er als der große europäische Humanist. Sein großes Ansehen beruht dort vor allem auf seinem Einsatz für die Idee der Gleichheit aller Menschen und für die Menschenrechte. "Indem wir die Einheit des Menschengeschlechts behaupten, widerstehen wir jeder unerfreulichen Annahme von höheren und niederen Menschenrassen. Alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt." Werner Biermann schreibt in der Zeitschrift mare, dass Humboldt auch deshalb als "zweiter Entdecker Amerikas" angesehen wird, der, anders als Kolumbus, in vollkommen friedlicher Absicht gekommen sei.
Mit 34 Jahre kehrt er als weltberühmter Forscher zurück. Sein Bruder Wilhelm Humboldt hat wohl einen Teil zu diesem Erfolg beigetragen, indem er die Briefe seines Bruders aus der neuen Welt geschickt an die Redaktionen gereicht hat. Humboldts Auswertung der fünfjährigen Reise dauerte Jahre und umfasst ein Werk von 30 Bänden.
La Condaime - der erste Forscher am Amazonas
Obwohl nach einhelliger Meinung Alexander von Humboldt als der größte Erforscher des Amazonas gilt, war er nicht der erste Forscher, der das Amazonasgebiet bereiste. Charles Mari de La Condaime brachte die ersten wissenschaftlichen Studien aus dem Amazonas nach Europa. 57 Jahre vor Humbolds berühmter Reise zeichnete er ein erstes wissenschaftliches Bild über das Amazonas-Becken. Mit den Berichten von La Condaime wurde zum ersten Mal die Beschaffenheit des Amazonas-Flusssystems in seinem ganzen Ausmaß beschrieben.
Als La Condaime wieder in Frankreich ankam, hatte er in seinem Gepäck eine harzhaltige Flüssigkeit, den Saft des Kautschukbaums. Damit brachte La Condaime den Kautschuk nach Europa.
Quellen:
- Werner Biermann, "Eine eigentümliche Vorliebe für die See" in mare No. 77, Dez 2009/Jan. 2010
- Herbert Scurla (Hrsg.): Beiderseits des Amazonas, Berlin 1971
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